Hello Hanoi – What to do and to see

Vor 3 Wochen wollte ich ja einen Artikel über Hanoi schreiben. Daraus entstand dann meine 3-teilige Reihe „Go with the flow – how to survive asian traffic“. Nachdem wir jetzt aber dieses Kapitel abgehakt haben, können wir uns nun wirklich der Stadt selbst widmen (wer übrigens Teil 1, 2 oder 3 nochmal lesen will klickt einfach auf die Nummern). Wie gesagt, der Verkehr ist crazy!

Hanoi stresst ein bisschen.

Hanoi ist eine Stadt, über die ich eine sehr gespaltene Meinung habe. Ohne Zweifel ist es eine Stadt, die sich lohnt gesehen zu haben. Denn Hanoi zählt wohl zu den authentischsten asiatischen Großstädten, die man so findet. Also authentisch im westlichen Sinne. Sprich: nicht westlich. Hier ist zu großen Teilen noch die Zeit stehen geblieben. Hanoi ist groß, laut, hektisch und ein wenig dreckig. Es gehört nicht zu dem modernen Asien wie Bangkok oder Kuala Lumpur. Es ist eine vergleichsweise arme Stadt und man merkt den kommunistischen Einfluss.

Ich persönlich bin kein Fan von Hanoi. Es ist mir zu laut und hektisch und einfach stressig. Das typische Asien kann einem ganz schön auf den Senkel gehen. Aber das ist auch Geschmackssache. Mein Freund hat das anders wahrgenommen. Und ich habe auch Leute getroffen, welche Hanoi liebten, eben, weil es nicht so modern und abgehoben ist, wie andere Großstädte. Daher sollte man es sich einfach mal selbst ansehen.

Straßenleben Hanoi

Was hat Hanoi zu bieten?

Als wir Anfang Juli 2016 in Hanoi waren, hatte es jeden Tag 35 Grad und ca. 70% Luftfeuchtigkeit. Das war suuuuuper anstrengend. Wir haben uns dennoch so einiges angesehen. Wir waren aber auch sehr froh, um unser klimatisiertes Hotel. Es hieß Hanoi Central Park Hotel (glaube ich) und wir waren sehr zufrieden. Nettes Personal, sauber und sehr zentral 🙂 Also schaut, dass ihr einen schönen Rückzugsort habt, an dem ihr euch von der Hitze erholen könnt.

Aber das nur so am Rande. Hanoi ist nicht die Stadt, die mit einer Sehenswürdigkeit nach der anderen aufwarten kann. Es gibt ein paar Stationen, doch es ist nicht ein Wow-Effekt nach dem anderen. Hanoi lebt von dem Moment. Es ist nicht das große Bauwerk, welches beeindruckt. Es sind die kleinen Momente, die auf der Straße passieren, welche einem Land und Leute näherbringen (das gilt sowieso immer) und vor allem in Hanoi kann man noch viel „typisch“ asiatisches Leben spüren. Also auch, wenn es wahnsinnig anstrengend sein kann, solltet ihr euch Hanoi einfach zu Fuß ansehen.

Arbeiter Hanoi

Gut, aber damit hier mal etwas Struktur in den Text kommt: Was sollte man in Hanoi eigentlich gemacht haben?

1. Ho Hoan Kiem (oder von mir kurz Kiemsee genannt)

Um diesen zentralen See der Stadt, spielt sich das Leben ab. Er wird als das Herz der Stadt bezeichnet. Tatsächlich lädt dieser Ort definitiv zum Verweilen ein (im Gegensatz zu den anderen Seen der Stadt). Am Seeufer sitzen die Menschen, es gibt Straßenverkäufer mit Wasser oder unnötigem Spielzeug und andere machen Yoga. Natürlich rankt sich auch eine Legende um diesen See. Nämlich über eine riesige Schildkröte, deren toter Bruder auf der kleinen Insel in der Mitte des Sees ausgestellt ist. Wir haben ihn aber nicht gesehen, da dieser Tempel Eintritt kostet und ich tote Schildkröten auch im chinesischen Restaurant begutachten kann (kleiner Witz am Rande 😉 ). Ein Spaziergang zum und um den See lohnt auf jeden Fall und spendet immer wieder Schatten an zu heißen Tagen.

Kiemsee Tempel

See Hanoi

Brücke See Hanoi Nacht

See Hanoi Nacht

2. Mit Studenten am Kiemsee reden

Es gibt tatsächlich Menschen, welche einem nichts verkaufen wollen. Daher lohnt es sich stehen zu bleiben, wenn eine kleine Gruppe junger asiatischer Menschen im gebrochenen Englisch fragt, ob man weiterhelfen könnte. Wir misstrauische Europäer erwarten immer das Schlimmste. Aber tatsächlich ist die benötigte Hilfe manchmal einfach nur ein Gespräch auf Englisch, damit die Studenten üben können. Dadurch ergeben sich wunderbare Momente und man erfährt spannende Geschichten über das Land. Sich ein wenig Zeit nehmen und sich am Seeufer mit ein paar jungen Menschen niederlassen, bereichert auf jeden Fall nicht nur das Wissen der Studenten.

3. St. Jospeh’s Catedrale

Oder besser gesagt die Cafés drum herum. Die St. Josephs Kathedrale ist eine Kirche, wie man sie in Europa ziemlich häufig findet. Der Fakt, dass dafür in der Kolonialzeit ein steinalter Tempel weichen musste, weil die Herrschaften sich eingebildet haben, genau an DIESER Stelle ihr Gotteshaus zu bauen, macht den düsteren Bau nicht unbedingt sympathischer. Süß sind dafür die kleinen Cafés rund um den Platz, welche mit schmalen Balkonen und Ventilatoren zum Verweilen einladen. Ein Mittagessen im klimatisierten Innenraum lässt einen wieder frisch werden. Ein anschließender Kaffee auf dem Balkon, bei dem man dem Treiben zuschaut, verspricht schöne Momente. Die Preise sind gehobener, aber für unseren europäischen Geldbeutel immer noch mehr als leistbar (das soll keineswegs arrogant klingen, aber es ist nun mal wie es ist).

Kirche Hanoi

4. Ho-Chi-Minh Mausoleum

Das ist sowohl ein Do als auch ein Don’t.

Warum Do: Das Gebäude ist so ein fürchterlicher Klotz, den muss man einfach gesehen haben. Der Platz davor ist riesig und es gibt eine Patrouille, die PEINLICHST genau darauf achtet, dass eine am Boden aufgezeichnete, gelbe Linie nicht übertreten wird. Ich habe diese Linie nicht gesehen und wurde blitzschnell mit einer Trillerpfeife weggejagt 😀

Ho Chi Minh wird von den Vietnamesen übrigens auch Onkel Ho genannt. Das klingt aber eigentlich nur für uns so lustig. Im Vietnamesischen ist die Bezeichnung „Onkel“ höchst respektvoll gemeint und kann auch Menschen außerhalb der leiblichen Familie meinen. Damit hört mein Vietnamesisch-Wissen auch wieder auf, aber ich fand es erwähnenswert, dass der lustige Onkel nicht so ein lustiger Geselle ist, wie man von der deutschen Sprache ausgehend vermuten könnte.

Okay, sehr abgeschweift. Also weiter im Text: Wenn man auf die andere Seite des Mausoleums geht, dann kommt man dorthin, wo wir tatsächlich nicht waren: Dem Eingang. Aber aus einer sehr genauen Beschreibung eines anderen Reisenden, kann ich euch ein bisschen sagen, wie das abläuft: Man schiebt sich non-stop in einer endlosen Schlange durch zig Kontrollen. Man darf niemals stehen bleiben, denn die Massen müssen da irgendwie durchgeschleust werden. Dann geht die Runde einmal um den aufgebahrten Onkel Ho herum, alle sind vor Ehrfurcht ganz still und dann geht es im Schweinsgalopp wieder nach draußen.

Und da wären wir auch schon beim Warum Don’t: Ho Chi Minh wollte niemals aufgehoben, sondern verbrannt und dann über seine Länder verteilt werden. Jetzt ist er nicht verbrannt und die Leute rennen in Scharen einmal um ihn herum. Manch einer mag sagen, dass das egal ist, schließlich ist er ja eh tot. Aber in meinen Augen ist es scheinheilig zu sagen, dass ich jemanden als Nationalheld so unfassbar verehre und dann aber seinem letzten Wunsch nicht nachkomme. Ich habe damit ein massives Problem. Sorry.

Hanoi Mausoleum

Hanoi Forbidden Area

5. Irgendeine Pagode am See

Wow, wahnsinnig genaue Beschreibung. Aber steht man vorm Mausoleum, auf der Seite wo wir waren, dann muss man einfach nach rechts weiterlaufen. Dort kommt erst der Präsidentenpalast und dann ein ziemlich großer See (ich denke es war der West Lake) mit ziemlich vielen toten Fischen drin. Wenn man am rechten Rand des Ufers entlangläuft, was eigentlich ganz nett ist, weil Schatten und grün und so, dann kommt man zu einer Pagode. Diese ist auf einer kleinen Insel in den See hinein gebaut und es ist tatsächlich kostenlos sie sich anzusehen. Die Anlage ist ganz schön und damit wäre dieses Kulturprogramm auch abgehakt 😉 Natürlich gibt es noch jede Menge weitere bedeutende Pagoden und Tempel und Zeug in Hanoi, aber ich weiß nicht, ob man sich tatsächlich alle ansehen muss. Aber eine schöne Station gibt es auf jeden Fall noch.

Pagode Hanoi

Pagode West Lake

6. Der Literaturtempel

Dies ist nicht nur ein geschichtsträchtiger Bau, sondern auch einfach ein schöner Ort. Es ist außerdem der bedeutendste Literaturtempel in ganz Vietnam. Lest euch am besten einige Fakten dazu vor dem Besuch durch, denn wird man sich bewusst, dass man auf fast 1000 Jahre alten Böden läuft und durch Räume wandelt, in denen die konfuzianischen Lehren unterrichtet wurden, dann erhält dieser Ort noch mal mehr an einer beeindruckenden Aura. Auch sich kurz anzusehen, was hinter der Architektur steckt, ist interessant. Denn hier ist nichts dem Zufall überlassen. Kleiner Tipp von mir: Geht so eine Stunde vor Schließung hin. Wir waren in der Dämmerung da. Daher war es fast leer und die Anlage hatte eine ganz eigene, ehrfurchtsvolle Ausstrahlung. Naja, dafür sind die Bilder aber nicht so gut geworden 😉

Gegenüber der Anlage ist übrigens noch ein kleiner Park mit See. Da lässt es sich ganz nett drum herumspazieren und den Einheimischen beim Quatschen und Spielen zusehen.

Hanoi Literaturtempel

Literaturtempel

Schüssel Literaturtempel

7. Esst auf der Straße!

Das klingt komisch, gehört aber zu den besten Erlebnissen überhaupt. Man sieht überall auf der Straße meist Frauen, welche in ein paar Körben Essen transportieren. Entweder auf den Fahrrad, oder einfach durch eine Stange verbunden und auf die Schultern gelegt. Also „einfach“ ist vielleicht das falsche Wort. Auf jeden Fall hatten Timo und ich wirklich Hunger und da es nirgendwo einen Bistro gab, haben wir uns für so einen Straßen-„Stand“ entschieden. Irgendwas bruzzelte da nämlich im Fett, was aussah wie frittiertes Omelette. Wird man wohl so auf die Hand bekommen, dachten wir uns und bestellten 2 Stk. Die Frau nickte begeistert, deutete auf zwei winzige Kinder-Plastikhocker auf den Boden, drehte einen Eimer um und stellte darauf ein Tablett. Dann begann sie das Omelette mit einer Schere zu zerschneiden und das gleiche mit Reisnudeln und dies auf 2 Tellern zu verteilen, welche sie in einem anderen Plastikeimer abgespült hatte. Dazu wurde dann noch in einer Plastikflasche eine Fischsauce angerührt und das Essen mit Kräutern verziert. Wir bekamen also eine riesen Mahlzeit aufkredenzt, mit den einfachsten Mitteln. Hallo Durchfall, dachten wir uns. Aber das Essen hat nicht nur wunderbar geschmeckt, sondern uns tatsächlich auch nicht krank gemacht. Die süße Vietnamesin verstand kein Wort Englisch, aber als sie gesehen hatte, wie sehr wir beim Essen schwitzen (wie gesagt: 35°), nahm sie ein anderes Tablett und fächerte uns Luft zu. Dabei grinste sie unaufhörlich und wir auch 🙂 Das ganze hatte dann vielleicht 2 Euro gekostet, wenn überhaupt und wir waren papp satt und eine wunderbare Erfahrung reicher ♥

Streetfood Hanoi

Und was braucht man sich nicht in Hanoi ansehen?

Da gibt es 3 Dinge, aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung:

  1. Die anderen Seen. Die sind nämlich einfach nicht schön. Obwohl man das wahrscheinlich gar nicht so über den Kamm scheren kann. Es gibt nämlich irgendwie ganz schön viele Seen in dieser Stadt. Und vielleicht auch wirklich schöne. Nur von denen, die ich gesehen habe, war nur der Kiemsee schön. Aber findet es selbst heraus 🙂
  2. Das Kolonialviertel. Whaaaat? Ja, also ich muss sagen, ich war in anderen Vierteln, wo es mehr nach Kolonialzeit aussah, als im groß angepriesenen Kolonialviertel. Wenn ihr mit offenen Augen durch die Stadt wandert, dann seht ihr die alte Architektur sowieso noch überall.
  3. Die Zitadelle und den Flaggen-Turm. Joa, groß und klotzig. Irgendwie seelenlos. Nichts, was mich jetzt angelacht hätte. Aber das ist natürlich auch wieder typabhängig.

Flagturm Hanoi

Summa Summarum:

Hanoi sollte man sich einfach mal geben. Einfach mal reinschnuppern und sich einfach mal drauf einlassen. Stürzt euch in das Großstadtchaos, riecht die verpestete Luft, esst mit den Einheimischen und schaut von einer erhöhten Terrasse bei einem kühlen Bier dem Verkehrschaos zu. Und wenn eure Lungen und Herzen und Bäuche gefüllt sind mit der vollen Dröhnung Hanoi, dann packt so schnell wie möglich eure Sachen und schaut euch den Rest dieses schönen Landes an.

Love ♥ Eure Dorie

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    1. Danke 🙂 Du kannst jeden Dienstag reinschauen, denn da ist Travel Tueday und es gibt immer neue Posts zu verschiedenen Orten 🙂
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

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