Influencer Bash: 5 Dinge, die du vom Blogger-Speeddating lernst

Schon vom Weiten kann ich durch die Scheiben die vielen Menschen drinnen sehen, die freudig ins Gespräch vertieft genau das tun, wovor ich gerade ziemlich Schiss habe: Networking. Der Influencer Bash im Sneak In findet statt und ich begebe mich nun in Ermangelung ausreichend interessierter Freunde alleine in Richtung „networking„.

Meine Schritte werden langsamer, als ich mich dem Eingang nähere und ich versuche ein nettes, unverbindliches Lächeln aufzusetzen. Ich bin mir sicher, dass ich eher wie ein verschrecktes Kaninchen ausgesehen haben muss. Ich bahne meinen Weg durch die Rauchermassen und wo ich sonst leicht rüpelhaft Ellbogen und Körperkraft einsetze, bediene ich mich nun nur eines zaghaften „‚Tschuldigung„.

Drinnen angekommen erschlägt mich die Hitze und das Stimmengewirr. Ich fühle mich ziemlich einsam und verloren in dieser Masse aus wunderschönen und makellosen Menschen. Ich habe noch nie so viele perfekte Gesichter auf einem Haufen gesehen. Gut, der ein oder andere Ausreißer mag dabei sein. Aber das Gros der Gesellschaft sieht aus wie aus dem Bilderbuch. Als ob ein Photoshopfilter über dieser ganzen Location liegen würde.

Was machst du nun?, ist die Frage. Der sichersten Wege, um Menschen kennen zu lernen, sind Alkohol und Zigaretten (Ja, Anstandswauwaus, schlagt die Hände über dem Kopf zusammen und rennt im Kreis!) Also hole ich mir meinen obligatorischen Weißweinspritzer, obwohl ich mir vorgenommen hatte, diese Woche nichts zu trinken – aber das Business geht nunmal vor. Bewaffnet mit einem kleinen Mutmacher, bahne ich mir meinen Weg wieder zurück durch die Menschenmassen zu einer etwas freieren Stelle. Ich bin zwischen all den großen Männern und Frauen auf Absatz mit meinen unbehighheelten 1,71 wahnsinnig winzig. Die Menschen um mich herum sind heraus geputzt, aus jeder Ecke strahlen mich die verschiedensten Marken an. Ob Prada oder Karl Lagerfeld, die Leute sind gestyled wie zur Fashion Week. Und dabei war es doch nur ein Networking Event für „Influencer„.

Schließlich komme ich neben einer sehr großen, schönen und auch künstlichen Frau zu stehen, die ein Foto von ihrem Foto macht. Fotoception. Und ich frage sie: „Bist du das auf den Foto?„. The networking is on! Mit einem kühlen und hörbar stolzen „Ja“ und meinem leicht resignierten „Cool„, ist das Gespräch dann auch wieder beendet. Networking failed. Anscheinend war ich ihrer nicht würdig, denn ich bin auf keinem der ausgestellten Fotos zu sehen. Also klammere ich mich weiterhin an mein Getränk und halte nach einer weiteren einsamen Seele Ausschau. Zu meinem Leidwesen gibt es keine andere einsame Seele, denn um halb 10 hatten sich die Grüppchen schon gebildet und die meisten sind sowieso nicht alleine gekommen.

Denn wer geht schon alleine auf so ein Event? Klar, man will networken und alleine sein ist dabei von Vorteil. Meint man. Denn eigentlich geht es nur ums Sehen und Gesehen werden. Nachdem ich ein bisschen hoffnungslos 20 Minuten in der Gegend rumgestanden bin, Menschen nett angelacht und schon fast aufgegeben habe, sehe ich eine Gruppe von Mädchen, die bodenständiger als der Rest wirken. Und ich denke mir: Hey, ich bin bei der Hälfte meines Glases, wenn nicht jetzt, wann dann? Und schon tragen mich meine Füße wie ferngesteuert zu ihnen und ich stelle mich dazu mit den Worten „Hey, kann ich mich zu euch gesellen, denn langsam wird es peinlich alleine rumzustehen.“ Kurze Blicke werden ausgetauscht und ein verlegenes, höfliches „ja klar“ kommt mir entgegen. Also bleib ich stehen. The Networking is on. Again. Nach einer kurzen Eisphase bricht selbiges auch relativ schnell und eine kurze Vorstellungsrunde folgt. Reium lerne ich Anita, Justyna und Vanessa kennen. Und schon bin ich nicht mehr allein. Ich habe genetworkt. Boo yaa!

Das Abend gestaltet sich noch sehr nett, mit lockeren Gesprächen und interessanten Begenungen. Und ich habe Zeit mir die Menschen um mich herum anzusehen.

Anita Sookan und The Dorie
Copyright Follow Vienna

5 Dinge, die man von so einem Abend lernt

1. Du musst noch viel lernen

Ziemlich sicher ist das Posing der meisten nicht so perfekt, wie das der Leute vor Ort. Da wird das glänzende Haar geworfen, das Lächeln ist freundlich aber distanziert, der Blick über die Schulter wirkt unverkrampft. Zack, Drehung, Lächeln, Haarwurf, Klick. Foto perfekt. Und wenn du das schon kannst, dann musst du eben lernen dich richtig zu vermarkten. Leger angezogen, ist ja schließlich keine Gala? Buuuuuuh, Loser! Hier zeigt man sich. Hier ist man was, wenn man zeigt, was man hat. Und niemals die Heels vergessen. Man, hab ich mich klein gefühlt!

2. Fühl dich toll

Das geht mit 1. einher. Fühl dich toll. DU bist der Blogger und DU bist der Influencer. Wenn du dich nicht toll fühlst, wer soll es dann tun? Du verkaufst dich. Kein Platz für falsche Scham, außerdem ist das ein Haifischbecken. Schüchtern kannst du woanders sein.

3. Instagram ist deine Visitenkarte

Und meine sieht wirklich mies aus. Keiner fragt mehr nach Facebook. Ist was für alte Menschen. Und Papierzettel sind ja ganz nett, aber über die kann man keine Direct Message schreiben und auch niemanden taggen, was das networking erst recht pusht (ja, ich benutze absichtlich diese Ausdrücke 😉 ). Dein Instagram ist in dieser Branche dein Ausweiß. Und wenn du kein k hinter deinen Followern stehen hast, tja, dann siehts halt schlecht aus, gell Schätzchen?! Und ich bin mit meinen 500 Followern ja ungefähr nicht würdig. Ich bin nur froh, dass die Mädels das anders gesehen haben, höflich meine Fotos komplimentiert und geliket haben und nicht ganz so weit von meinen Followern entfernt sind. Nur so ca. das doppelte haha. Mein Farbschema ist nonexistent, meine Bilder nicht immer 1A. Oh ich muss noch so viel lernen → Gehe zurück zu Punkt 1.

4. Die Blogger Branche ist auch falsch

Blogger verkaufen Dinge oder Lifestyles. Das wissen wir alle. Der Unterschied bisher war immer der Glaube, dass sie es wesentlich ehrlicher tun, als es die normale Werbeindustrie tut. Sie sind näher am Konsumenten, sie sind offener. Das stimmt auch sicherlich. Und nichtsdestotrotz ist alles vieles fake. Die Bilder werden retouchiert, die Blogger lachen in die Kamera und wecken bei den Lesern Bedürfnisse, die sie vorher nicht hatten. Oh warte, mach ich das etwa auch? KLAR! Von irgendwas muss man ja leben. Aber während ich viele ethische Grundsätze habe und noch nie etwas über ein Produkt oder Marke erzählt habe, was ich nicht vertreten konnte, so kamen mir gestern bei den ganzen Plastikpuppen doch Zweifel, ob diese Grundsätze nicht eher die Minderheit vertritt. Ziehe ich gerade meine eigene Berufssparte in den Dreck? Ja. Dummes Kind → Gehe zurück zu Schritt 2.

5. Du willst dabei sein!

Ich habe abgelästert, ich habe sie schlecht gemacht und ich will unbedingt dabei sein. Oh man, was für ein Opfer! Aber ja, es fesselt. Und wenn du auf so ein Event gehst, du wirst immer eine Mischung aus tiefster Bewunderung und leichtem Ekel empfinden. Diese Welt ist so konträr. Und spannend. Und du willst dazu gehören. Glaub mir.

Love ♥ Eure Dorie

0 Gedanken zu &8222;Influencer Bash: 5 Dinge, die du vom Blogger-Speeddating lernst&8220;

  1. Ich habe es echt geliebt, diesen Beitrag zu lesen! 🙂
    Für mich geht es auch bald auf ein solches Event und ich bin schon sehr aufgeregt!!! Es ist echt witzig, wie humorvoll du die ganze Lage beschrieben hast, bin echt gespannt, ob ich ähnliche Erfahrungen machen werde! 😛
    Mich freut es aber natürlich, dass du „networken“ konntest und neue (hoffentlich tolle) Mädels kennengelernt hast! 🙂

    Ein echt interessanter Beitrag!! 🙂

    Ich wünsche dir noch einen tollen Freitag und ein schönes Wochenende <3

    Liebe Grüße,
    Sandra von https://sandritasol.blog <3

    1. Danke, das ist ein großes Kompliment! Ich bin gespannt, was du dann darüber berichten kannst und wünsche dir ganz viel Spaß dabei 🙂 schönes Wochenende! 🙂

  2. Liebe Dorie,
    wow dein Beitrag ist Hammer geworden, als wäre man mit dabei gewesen! 😍 Zum Glück konntest du dich noch einer Gruppe Mädels anschließen und etwas „networken“ 😉

    Viele Grüße Lisa

  3. Wow ein sehr interessanter Beitrag – man hat wirklich das Gefühl man war vor Ort. Ich würde total gerne mal auf ein Blogger-Event gehen, habe aber auch ein bisschen Angst davor 😀 Aber zum Glück hast du an dem Abend noch nette Mädels getroffen ! xxx Anna

    1. Ich hatte auch voll Angst davor, aber im Nachhinein bin ich wirklich froh, es getan zu haben 🙂 also ich kann dir nur empfehlen es zu tun, wenn sowas in der Nähe ist. Aber nimm dir ne Freundin mit, dann ist’s nur noch halb so schlimm 😉 😬

  4. Ich finde, du hast das sehr super geschrieben. Mit der nötigen Portion Humor und spannend zugleich. Auf jeden Fall gut auf den Punkt gebracht. 😉
    Obwohl ich es persönlich nicht ganz so „aufgestyled“ und „perfekt“ usw. gefunden habe, wie du es beschreibst. Aber das ist sehr subjektiv, jeder empfindet das eben anders.
    Ich muss schon zugeben, manchmal habe ich mich auch ein wenig unwohl gefühlt und oft bin ich auch von der Oberflächlichkeit solcher Veranstaltungen schockiert.

    Liebe Grüße,
    Olivia

    http://www.oliviasly.com

    1. Oh, warst du auch da?? So schade, dass wir uns nicht kennen gelernt haben. Vielleicht beim nächsten Mal 🙂
      Und ja, ist wahrscheinlich wirklich sehr subjektiv, auch abhängig davon, was man erwartet hat 😀
      Liebe Grüße!

  5. Toller Beitrag! Ich bin momentan am Überlegen, ob ich an der ABCstar-Konferenz teilnehmen soll. War aber etwas unsicher, weil ich Angst hab, da die ganze Zeit alleine rumzustehen…dein Post hat mir aber Mut gemacht! 😉

    1. Ohja, da hab ich auch überlegt hinzugehen, aber ich komme leider zeitlich gar nicht dazu 🙁 Freut mich, dass dir der Post dabei geholfen hat. Ich fände es spannend zu lesen, wie es dann dort war 🙂

  6. Liebe Dorie. Jetzt bin ich ganz schön viel älter als Du und gehe demnächst auf die ABC Bloggerkonferenz. Eine Freundin ist auch mit dabei. Der Bericht ist gut, denn meine Freundin und ich werden wohl durch unser Alter auffallen. Haha. Wir schauen uns das alles mal an und bleiben gelassen. Das was Du beschreibst, gibt ja auch auf manchen Partys ( auf die ich nicht mehr gehe). Groß und schön und dekadent stehen da manchmal Leute rum können sich nicht unterhalten oder lachen und schon gar nicht tanzen. Nein, an solchen Menschen will ich mich eh nicht orientieren. Mach nur weiter und bleib Dir treu.
    Lg. Gabi

    1. Das ist ja sehr cool 🙂 Es muss ja auch nicht alles so sein. Vielleicht ist die ABC Konferenz auch ganz anders 🙂 Lasst euch bloß nicht wegen eurem Alter verunsichern, ich finde es toll, wenn ihr das einfach durchzieht 🙂 Fände es toll, wenn ihr/du dann von deinen Erfahrungen berichtest 🙂
      Liebe Grüße und schönes Wochenende!

  7. Interessanter Artikel (ich bin ein Mann haha).

    „Und wenn du kein k hinter deinen Followern stehen hast, tja, dann siehts halt schlecht aus, gell Schätzchen?! Und ich bin mit meinen 500 Followern ja ungefähr nicht würdig. Ich bin nur froh, dass die Mädels das anders gesehen haben, höflich meine Fotos komplimentiert und geliket haben und nicht ganz so weit von meinen Followern entfernt sind. Nur so ca. das doppelte haha.“

    Also haben da viele Leute nur 1000 Follower auf Instagram? Das sind doch für mich keine Influencer, man kriegt doch schon an die 100, wenn man sich mit ein paar Facebook-Freunden connected… Für mich sind Influencer Leute mit einen YouTube-Channel mit 100.000++ Abonennten. Oder sehe ich das etwas übertrieben?

    1. Interessanter Gedanke und auch nicht falsch. Aber an sich kannst du Influencer sein, sobald du eine gewisse Gemeinschaft hast, die sich für deine Meinung und Empfehlungen interessieren. Aber natürlich, wie du schon sagst, bzw. mich zitiert hast, du „bist“ halt erst wer, wenn du viele Abonennten hast. 100k sind zwar schon sehr stolz, denn du kannst auch mit weniger schon etwas bewirken, aber je mehr desto besser. Insofern siehst du es meiner Meinung nach nicht falsch, aber doch etwas übertrieben. Nur, was ich ganz anders sehe, ist, dass die Menschen mit wenigen Followern deswegen trotzdem eine „Berechtigung“ haben auf einen Influencer Bash zu gehen. Die „Großen“ machen vielleicht wertvolle Kontakte, die zu Geschäftsbeziehungen führen, die „Kleinen“ können wertvolle Freundschaften schließen, sich gegenseitig unterstützen und von einander und den anderen lernen. Also, wenn das dein Punkt war, dann kann ich dir da so gar nicht zustimmen. Man könnte es natürlich auch Blogger-Instagrammer-Youtuber-undsonstigeFromsozialerBeeinflussung-Treffen nennen, oder eben Influencer Bash. 🙂

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