Go with the flow: Wie man asiatischen Verkehr überlebt
Diese Story war ursprünglich eine dreiteilige Reihe über Verkehr in Asien: Fußgänger, Roller leihen und Überlebenstipps. Ich habe die drei Teile hier als ein zusammenhängendes Archiv zusammengeführt. Der Originalton bleibt bewusst erhalten.
Teil 1: Go with the flow: How to survive in asian traffic – Part 1
Travel Tuesday: Anarchie auf und zwischen den Bürgersteigen. Begeben wir uns auf einen Ausflug in die Verkehrslage Vietnams und anderer asiatischer Länder. Vietnam ist das Extremste, was ich bisher erlebt habe.
Daher orientieren wir uns an diesem Land, dann kann in den anderen fast nichts mehr schiefgehen. (Vorsicht: Thailand hat Linksverkehr!) Eigentlich sollte das ein Post über Hanoi werden, aber das Kapitel Verkehr ist so explodiert, dass ich entschieden habe erstmal über ein paar Grundregeln aufzuklären. Die sind dann so ausgeartet, dass ich entschieden habe, das Thema auch nochmal auf 2x aufzuteilen: Für Fußgänger und motorisiert. Unübertrieben überlebenswichtige Tipps, wenn man sich auf asiatische Straßen begibt.

Das Verkehrschaos und dessen Hierarchie
Der wohl wichtigste Grundsatz, den ihr euch wirklich ins Hirn hämmern müsst, ist: KEINER BREMST. Keine Lüge, keine Übertreibung. In Vietnam gibt es eine klare Hierarchie unter den Verkehrsteilnehmern, die sich – grob gesagt – danach richtet, wer den Größeren hat 😉 Das hängt auch mit dem gesellschaftlichen Status zusammen. Also wer hat Vorfahrt?
- Alles ab LKW-Größe kommt als erstes. Bus, Zug, Flugzeug, Panzer… doesn’t matter.
- SUVs. Du hast einen sehr sehr guten Job. So gut, dass du dir einen SUV leisten kannst. Die Steuern auf Autos sind in Vietnam galaktisch. Je nach Quelle (Fremdenführer vs. Internet) zwischen 80 – 200%. Ist wahrscheinlich auch schwankend, je nachdem wer gerade den Antrag ausfüllt oder wie das Wetter ist oder der Staatshaushalt aussieht. Fest steht, dass man selbst für europäische Verhältnisse einen HAUFEN Schotter haben muss, um SUVs zu fahren. Und wenn du einen Haufen Schotter hast, hast du natürlich Vorfahrt, ganz klar.
- Kleinwagen. Du hast ein Auto, du bist immer noch der King. Aber halt nicht der Kaiser.
- Roller: Fahrbarer Untersatz mit Motor. Damit hast du es zumindest schon aus der Gosse geschafft und du hast IRGENDEINEN Wert.
- Fahrräder und Fußgänger. Wenn du zu dieser Spezies gehört, bist du gesellschaftlich irgendwo zwischen Nacktmull und Stubenfliege. Ergo bremst auch keiner für dich. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und Karma tut das Übrige dazu. Also: Lücken suchen, rennen, niemals stehen bleiben und beten.
In anderen (von mir bisher bereisten) Ländern ist das nicht ganz so extrem. Aber es kommt nah ran.

Das harte Leben eines Fußgängers
Ein Satz, den ich mir beim Überqueren der Straßen immer wieder wie ein Mantra vorgesagt habe, war: „Go with the flow“. Finde heraus, wie es so um dich herum fließt. Denn irgendwie funktioniert der Verkehr dort wahnsinnig gut. Auch in Abwesenheit von Zebrastreifen und unter strengster Missachtung jeglicher Verkehrsregeln und Ampeln, haben wir nur so 3-4 Unfälle mitbekommen. Guter Schnitt für die Verhältnisse. Ja, Vietnam gehört zu den Ländern mit den meisten Verkehrstoten. Liegt aber vermutlich auch daran, dass es billiger für viele Einheimische ist, wenn der Überfahrene WIRKLICH tot ist, als wenn er eine jahrelange Behandlung zahlen muss, zumindest wurde mir das so erzählt. Diese Quelle habe ich nicht überprüft und ist damit mit Vorsicht zu genießen. Schließlich leben dort auch einfach Menschen mit Herz und die meisten wollen schlimmeres verhindern.
Eine sehr wichtige Regel: Niemals auf der Straße stehen bleiben, weil ihr euch plötzlich doch unsicher werdet. Ich habe das ein paar Mal gemacht, weil ich dachte „Das schaffe ich nicht, den lasse ich lieber vorbei“ – FALSCH! Ich hätte beinahe den ein oder anderen Unfall verursacht. Die Einheimischen sind daran gewöhnt auszuweichen. Ist ja nicht so, dass sie dich mutwillig über den Haufen fahren wollen. Nur bremsen ist halt nicht drin.
Jetzt müsst ihr euch das Ganze so vorstellen: Der Rollerfahrer sieht, wie du einen Schritt auf die Straße machst. In Sekundenschnelle berechnet er deine grobe Laufbahn und Geschwindigkeit und weiß dann genau, an welcher Stelle er einen Bogen schlagen muss, um dich noch ausreichend zu umfahren. Und wenn da jetzt also plötzlich einer stehen bleibt, dann zerstört es ihm seine komplette Berechnung! Auf jeden Fall verursacht die plötzliche Reduzierung der Geschwindigkeit einen fetten Error im Rechenzentrum. Also never ever stop!
[Sicherheitshinweis: Ständige Bewegung ist nicht gleichzusetzen mit starrem Durchziehen der eigenen Route. Da jedes Rechenzentrum anders läuft und diese nur bedingt gekoppelt sind, gibt es viele verschiedene Routen von verschiedenen Fahrern, welchen man dann doch mal ausweichen muss. Also Geschwindigkeit an unmittelbare Umgebung anpassen.]

Weitere Tipps aus dem Traveler-Leben:
Ich habe einen sehr nützlichen und einfachen Tipp für euch: Zeit lassen – die braucht ihr sowieso – den Verkehr am Straßenrand genau analysieren. Eventuelle Startpunkte berechnen und einige Probeschritte Richtung Fahrbahn wagen. Dann auf einen Einheimischen warten und in dessen parallelen Windschatten leicht panisch mitlaufen. Diese/r Einheimische ist dann dein lebendes Schutzschild und Schülerlotse! Super praktisch und lernt einen den Flow des asiatischen Verkehrs.
Auf der anderen Seite der Straße dürft ihr dann Gott, Allah, euren Eltern oder wem auch immer danken, dass ihr noch lebt. Anschließend möglichst lange auf einer Straßenseite laufen. 😀

Ach ja, was man als Fußgänger auch vielleicht mal gehört haben sollte:
- Fußgängerzonen sind nur dann gültig, wenn die Polizei hinschaut. Manchmal sind zu große Menschenmassen auch abschreckend, z.B. auf Märkten, denn dann zählt die Überlegenheit der breiten Masse. Im Gedränge dürft ihr euch sicher fühlen.
- Wenn auf der Straße Stau ist, gibt es viele Möglichkeiten zur Lösung. Die wohl beliebteste könnte man so beschreiben: wenn die Straße verstopft ist, dann muss der Gehweg eben dran glauben. Wir erinnern uns an die Hierarchie und hören JETZT auf uns darüber zu wundern. Dies ist vor allem in Saigon (Ho-Chi-Minh City) ein weit verbreitetes Brauchtum, aber man sollte allgemein immer stutzig werden, wenn’s hinter einem plötzlich laut brummt und hupt.

Also fassen wir mal unseren ersten Teil zusammen:
Go with the flow. Regeln zählen nichts. Bete und finde eine Lücke. Oder einen Einheimischen.

Ich hoffe, ich habe euch ein bisschen weitergeholfen oder dass ihr einfach nur Spaß am Lesen hattet.
Teil 2: Go with the flow: How to survive asian traffic. Part 2
Das Leben vor und mit dem Roller
Letzte Woche habe ich euch ja bereits von der Anarchie auf und zwischen den Bürgersteigen berichtet – heute geht es ab auf den Roller.
Bevor ich aber mit meinen Tipps und Stories anfange, eines vor ab: Es lohnt sich. Kaum woanders ist es so einfach an einen Roller zu kommen und einfach draufloszufahren. Und wenn die Schaltkreise im Hirn einigermaßen funktionstüchtig sind, ist es auch gar nicht so lebensmüde, wie es sich vielleicht anhören mag. Also Entwarnung, es ist ein tolles Erlebnis, nur keine Angst 🙂
Damit ihr aber nicht ganz blauäugig in euer Rollerabenteuer stürzt, habe ich euch hier ein paar Erfahrungswerte zusammengetragen.

Roller leihen
Also das ist so ziemlich der einfachste Part. Rollerverleihe findet ihr überall und wenn ihr nicht sowieso von Angeboten erschlagen werdet, dann fragt einfach nach. Jetzt gibt es jedoch ein paar Kleinigkeiten zu beachten.
- Macht eine kleine Probefahrt und testet, ob ihr damit klarkommt und OB DIE BREMSEN FUNKTIONIEREN. Dazu eine kleine Anekdote: Man stelle sich zwei Grünschnäbel vor, nennen wir einen von beiden mal Dorie und der andere ist ihr Freund, die sich das erste Mal auf der doch recht bergigen Insel Koh Chang im Osten Thailands einen Roller leihen. Nachdem das Teil beim bergauf fahren Gefahr lief einen Herzinfarkt zu erleiden und sich mit den restlichen verbleibenden Kräften über die Kuppe des Berges gekämpft hat, war es umso euphorischer wieder runter zu kommen. Huiiiii, ging’s im flotten Galopp den Berg hinunter. Der Wind wehte uns in die viel zu großen Helme und pustete die verbliebenen Kopfläuse raus und wir freuten uns unseres Lebens. Bis am Ende einer langgezogenen Kurve ein verdammt langsamer Traktor erschien. Der Freund griff in die Bremsen und huuuiiiiiii ging es fast ungebremst weiter den Berg hinunter. Der Traktor fuhr auch nicht schneller. Die letzten verbliebenen Kopfläuse und Flöhe ergatterten die Rettungsschirme und sprangen freiwillig ab (vermutlich der Grund, warum wir tatsächlich bei keinem der ranzigen Helme bisher jemals Läuse bekommen haben). Der Fahrtwind wurde von einem schrillen „Bremseeeeeeeeeeeeeeeeeeeen!“ begleitet, welches sich abwechselte mit „Geeeeeeht niiiiiiiicht“ und dann ein einstimmiges „Aaaaaaaaaaaaaaaah!“. Wir hatten uns bereits darauf eingestellt actionfilmmäßig vom Roller zu springen oder komplett blind auf die Gegenfahrbahn auszuweichen. Doch nachdem uns der Auspuff des Traktors bereits fast an der Nase gekitzelt hatte, kam unser Roller doch noch zum Stehen. Also, was lernen wir daraus? Bremsen checken!
- Fotos vom Roller machen. Wir hatten nie Probleme, aber nach einigen Gesprächen mit anderen Reisenden kam uns öfters zu Ohren, dass die Besitzer manchmal versuchen die Fahrer für bereits vorhandene Schäden verantwortlich zu machen. Super nervig und kann teuer werden. Wir machen daher immer gut sichtbar für den Besitzer Fotos von den bereits vorhandenen Schäden und hatten auch noch nie ein Problem danach.
- Schäden, da wären wir schon beim nächsten Punkt: Nehmt niemals einen komplett neuen Roller. Aber natürlich auch keine Schrottkiste. Ihr könnt ziemlich sicher sein, dass ihr irgendwas kaputt macht, aber wenn der Roller schon Kratzer hat, fällt das nicht mehr so auf. Also nehmt ein Modell, welches schon ein paar Gebrauchsspuren hat. Dinge, die noch funktionieren sollten: Bremsen, Licht, Tankdeckel. Dinge, die ihr nicht wirklich braucht: Rückspiegel (auch wenn es sehr angenehm ist, welche zu haben), Tacho, Tankanzeige.
- Dann ist da das Problem mit dem Pass: Also manche Verleihe geben den Roller nur gegen den Pass als Pfand raus. Eigentlich ist einer der Grundsätze NIEMALS den Pass aus der Hand zu geben. Ja, aber manchmal muss man abwägen, ob man das Risiko eingehen will. Wenn ihr Pech habt, ist danach euer Pass weg, kopiert oder ihr werdet erpresst irgendwas extra zu zahlen. Wenn ihr Glück habt, bekommt ihr einfach den Pass gegen den Roller zurück. Wir hatten immer Glück. Aber man sollte dennoch gewarnt sein und das Gefühl ist schon sehr mulmig. Wenn es also möglich ist, sucht euch einen Verleih, der keinen Pass verlangt. Es gibt aber Gegenden, in denen es keinen einzigen gibt. In Laos zum Beispiel. Dann liegt es in eurem Ermessen: Fun vs. Sicherheit.
- Vertraut auf euer Bauchgefühl, zahlt lieber etwas mehr und habt dafür etwas Besseres und lasst euch zu nichts überreden. Und nehmt einen Helm mit. Zu 99% werden diese zu groß sein, jucken, drücken oder ähnliches. Nehmt ihn trotzdem. Es besteht überall Helmpflicht.

Ungeschriebene Verkehrsregeln & Buchempfehlung
Also es gibt in Asien viele geschriebene Verkehrsregeln, an die sich niemand hält und viele ungeschriebene an die sich alle halten. Das muss man erstmal lernen. Hier ein paar grundlegende Regeln:
Hupen ist Überlebenswichtig.
Situationen in denen man hupt:
- Achtung, ich überhole.
- Achtung, ich überhole rechts.
- Achtung, ich bin größer und stärker und mache jetzt irgendwas.
- Achtung, ich fahre jetzt ohne zu schauen auf die Straße.
- Achtung du Depp, der ohne zu schauen auf die Straße fährt, hier fahre schon ich.
- Achtung, hinter dieser Kurve komme ich.
- Achtung, ich biege jetzt einfach mal ab.
- Hi
- Bye
- Arsch.
Am witzigsten ist das Linksabbiegen. Das ist super. Um das mal etwas anschaulicher zu machen, habe ich euch zwei kritzelige Bilder gezeichnet.
Abbiegen in Europa:
Blinken, in die linke Spur einordnen, eine Lücke abwarten, in einem großen Bogen in die linke Straße abbiegen.

Abbiegen in Asien:
Bei einer geeigneten Lücke auf die Gegenfahrbahn wechseln und am Straßenrand einige Meter als Geisterfahrer zurücklegen. Hupend. Bei der Kreuzung dann ungebremst und laut hupend am Straßenrand in die Gegenfahrbahn abbiegen und dieser solange als Geisterfahrer folgen, bis man bei einer Lücke laut hupend auf seine eigene Fahrbahn wechseln kann. Ja, go with the flow. Haha. Man kann unter Umständen nach einem überlebten Manöver wieder gläubig werden.

Dementsprechend muss man sich zu jeder Zeit auch selbst auf Geisterfahrer einstellen.
Ein Buch, welches diesen ganzen Ablauf sehr gut und sehr realitätsnah erklärt, ist „Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha“ von Benjamin Prüfer. Allgemein kann ich dieses Buch nur empfehlen – es klärt über so viele Rätsel auf. Nein, diese Empfehlung ist nicht gekauft.
Teil 3: Go with the flow. How to survive asian traffic Part 3
Wir sind angelangt beim 3. und jetzt auch letzten Teil von „Go with the flow“. Puuuh, dieses Thema zieht sich, aber es ist nun mal so ganz anders als bei uns! Also auf geht’s in die letzte Runde! 🙂
Von halbstarken Rasern und wilden Touris
Was ich oft auf meinen Reisen beobachtet habe, ist, dass sich Touris gerne mal mega überlegen und stark fühlen. Wenn da also so ein Halbstarker meint, dass er mega fähig wäre auf dem Roller im asiatischen Verkehr zu fahren, dann ist das gar nicht so cool eigentlich. Dann schwingen sich diese Machos und Grünschnäbel leicht alkoholisiert auf ihre Klapperkisten, drehen den Gashahn voll auf und gehen ab. Dumm. Wirklich dumm. Warum?
Gründe:
Grund 1: Auch im Asienurlaub werden Naturgesetze nicht außer Kraft gesetzt. Wenn’s dich hinfetzt bist du mittel bis schwer tot. Zumindest bei voller Fahrt und alkoholisiert. Denn in Asien muss man erst recht voll bei Sinnen sein und den Verkehr gut wahrnehmen und handeln können.
Grund 2: Schlaglöcher sind mehr ein Schönheitsmangel als ein Sicherheitsproblem. Daher gibt es gerne mal ziemlich tiefe, ziemlich große Schlaglöcher mitten auf der Fahrbahn, welche dich gut und gerne aushebeln und ein paar Meter durch die Luft segeln lassen können. Und da man sehr sehr wahrscheinlich keine Schutzkleidung tragen wird und der Helm vermutlich auch nicht passt, sollte man einfach versuchen das nette Angebot der Schlaglöcher auszuschlagen (höhö, Wortwitz) und diese zu umgehen. Ganz hilfreich ist dabei eine angemessene Geschwindigkeit, damit man reagieren kann.
Grund 3: Auch der Fahrbahnbelag ist in Asien eher… anders. Wenn es regnet, kann sich beispielsweise eine suuuuper fiese Schmierschicht bilden und eure Reifen haben nicht den Hauch einer Chance Halt zu finden. Die Konsequenz ist eine Bruchlandung bei einer Bremsung. Mir passiert auf einer Serpentinenstraße in Laos, bei ca. 20 km/h. Mein verdammtes Glück, dass ich so langsam unterwegs war und mir daher – außer einem schönen Bluterguss – nichts zugezogen habe. Auf der gleichen Straße haben uns kurze Zeit später ein paar wilde Touris in einem Affenzahn überholt. Einfach nicht so klug. Auch, weil du ja nicht sehen kannst, ob jemand hinter der Kurve auf der Straße liegt. Ich zum Beispiel. 😀
Grund 4: Weils halt einfach dumm ist. Man kennt die Gegebenheiten nicht, die Regeln nicht, die Gegend nicht. Hirn anschalten. Ende.
Also nehmt euch auch vor diesen Leuten in Acht. Denn die Einheimischen fahren teilweise auch wie die Wahnsinnigen, aber die sind wenigstens damit aufgewachsen und wollen nicht nur ihre Muskeln spielen lassen.

Überlebens-Tipps und Wissenswertes
Tanken
Das ist immer lustig. Also in Thailand sind beispielsweise vielfach „Tankstellen“ in Form von abgefüllten Flaschen am Wegrand zu finden. Klappt super, keine Ahnung was da drin ist, aber bisher ist der Motor nie abgekackt und der „Tankwart“ wusste immer, was der Roller bekommt.
In Vietnam gab es häufig die weiterentwickelte Variante von kleinen Pumpen, welche am Wegrand standen und aus denen dann die gewünschten Liter per Hand in den Roller gepumpt wurden.
In Laos findet man faszinierender Weise hauptsächlich so richtig europäische Tankstellen. Also fast richtig. Also fast europäisch. Grundsätzlich läuft das auch in allen Ländern bei so einer Tankstelle sehr ähnlich ab. Variante 1: Du drückst dem Tankwart das Geld in die Hand und er tankt für dich den Betrag. Variante 2: Du sagst „Full“ und lächelst nett. Danach zeigt er dir mit seinen Fingern den Betrag. Da du je nach Währung dir nicht sicher sein kannst, was genau er meint, gibst du immer lieber einen Ticken zu viel und hoffst dann, dass er dir das Rückgeld passend gibt, bis du ein Gefühl für die Preise in diesem Land entwickelt hast.
Sollte mal keine Tankstelle zu finden sein, frag die Menschen, die du triffst. Wir sind mal auf eine unserer Touren mitten in der Pampa in Laos liegen geblieben. Eine Frau hat unser Problem mitbekommen und ist auf ihren Roller gesprungen. 10 Minuten später kam sie mit einer vollen Flasche Sprit zurück. Und sie nahm nicht mal Geld dafür. Unfassbar herzlich!

Tankstelle Thailand
Polizei
Also das ist so ein Ding mit der Polizei. Zum einem muss man wissen, dass der europäische Führerschein in Asien nicht gilt und man daher immer ohne Führerschein fährt außer man hat das Geld in einen internationalen investiert.
Dann gibt es einige Touristenorte, bei denen die Polizei sich gezielt Touris raus fischt und willkürliche Strafen verteilt. So als Taschengeld quasi. Bali ist so ein Pflaster. Mir übermittelte Strategien sind dann:
- Dummstellen
- Auf Deutsch reden, bis der Polizist aufgibt
- Einen kleineren Betrag anbieten
- Oder einfach am besten ganz schnell an denen vorbei brausen und gar nicht erst anhalten.
Es gibt allerdings auch Orte, Sulawesi in Indonesien gehört dazu, an denen Touris gar nicht angehalten werden und nur die Einheimischen. Das liegt dann wahrscheinlich daran, dass die meisten Menschen dort gar kein Englisch sprechen und deswegen diese unangenehme Begegnung von vornerein ausschließen. Am besten ihr hört euch vor Ort um, wie die Verhältnisse so sind.
Außerdem muss man wissen, dass bei Unfällen oft und gerne der Europäer Schuld ist, egal was war. Hier geht es sehr in eine ethische Grauzone, daher ist es schwer Tipps zu geben. Ich kann aber ein paar Dinge schildern, die mir von den Einheimischen erklärt wurden, um sich ein Bild zu verschaffen. Es handelt sich hier jedoch um Geschichten und keineswegs um Allgemeingültigkeit:
Uns wurde gesagt, dass wir niemals anhalten sollen, wenn wir einen Unfall sehen. Denn wenn wir stehen bleiben, dann sind wir Schuld, auch wenn wir nicht dabei waren. Angeblich gilt das in Vietnam auch für die Einheimischen. Und in Laos. Wir haben einmal angehalten, als wir einen Mann verletzt samt Roller im Straßengraben liegen haben sehen. Er war alkoholisiert und hatte sich soeben aufgerappelt. Er bedankte sich flüchtig und scheuchte uns dann weg. Entweder weil er kein Aufsehen erregen wollte, weil er voll war oder weil er vermeiden wollte, dass wir als die Schuldigen angesehen werden. Wir wissen nicht, was von beiden oder ob beides zutrifft. Aber wir sind dann gefahren. Er konnte noch stehen. Es wird schon passen. Als wir selbst einen Platten hatten und den Roller am Straßenrand entlang geschoben haben, hat kein Einheimischer angehalten, um zu helfen. Die einzigen, welche angehalten haben, waren wieder ein paar Touris, welche fragten, ob sie helfen können. Konnten sie leider nicht.
Wenn man selbst in einen Unfall verwickelt ist, wurde uns gesagt, dass man alles stehen und liegen lassen soll und einfach wegrennen und am besten ganz schnell das Land verlassen soll (wenn wirklich jemand zu Schaden gekommen ist). Denn die zu leistenden Zahlungen können auch einen Europäer schnell in den Ruin treiben. Ob man diesem Rat nachgeht, muss man mit sich selbst ausmachen. Es wird sicher nicht spurlos an einem vorbeigehen. Daher sollte man sich bemühen keinen ernsthaften Unfall zu haben.
Tiere auf der Straße
In Asien laufen die Tiere meist sehr frei rum und der Respekt vor der Straße ist nur bedingt vorhanden. Kühe beispielsweise können jeder Zeit sich einfallen lassen, dass das Gras auf der anderen Seite tatsächlich grüner ist. Dass das Recht des Stärkeren gilt, haben auch die schon mitbekommen. Daher sind sie ziemlich ignorant, wenn ein Rollerfahrer kommt. Da heißt es abwarten und Lücke suchen.
Anders ist das mit Hühnern. Diese rennen gerne bis zur Hälfte der Straße, bekommen dann Panik und drehen um und rennen zurück. Das heißt, sobald ein Huhn in der Nähe ist, muss man von seeeeehr irrationalen Handeln ausgehen und dann reaktionsschnell sein.
Auch Hunde und Hundewelpen rennen gerne auf die Straße. Ein Fahrer, den wir mal in Indonesien gemietet hatten, hat dann tatsächlich nicht mehr bremsen können. Ein anderer Traveler, den wir getroffen haben, war ziemlich fies verletzt, weil er genau so einem Unfall entgehen wollte und sich todesmutig vom Roller hat fallen lassen. Der Welpe hat es dann tatsächlich überlebt, die Narben bei diesem Traveler werden wohl bleiben. Auch uns ist ein Welpe vors Rad gerannt. Aber wir hatten glücklicherweise eine gute Reaktion und so ging mit einer Vollbremsung alles gut aus.

Reparaturen
In Europa kann das eine kostspielige Angelegenheit werden. In Asien meistens nicht. Und glaubt mir eins, wenn ich euch sage: Euch wird es mindestens einmal hinlegen. Wir haben uns einmal einen Reifen platt gefahren. Dann haben wir etliche Kilometer unseren Roller durch die Pampa schieben müssen. Tankstellen sind dabei übrigens keine große Hilfe (Reaktion des Tankstellenbetreibers war: „Hahahaha, no, no help. Bye. Hahahahaha“). Thanks for nothing. Irgendwann sind wir auf einen leicht alkoholisierten Kerl am Straßenrand gestoßen. Den haben wir auf unseren platten Reifen aufmerksam gemacht und nach einer Werkstatt gefragt. Er hat dann einfach unseren Roller genommen und ist los gejoggt. Wir leicht verwirrt hinterher. Der lustige Kamerad hat uns dann tatsächlich zu einem Schuppen gebracht, wo der Reifen innerhalb von 10 Minuten gewechselt wurde. Unkosten mit Trinkgeld: 3 Euro. Allgemein findet man quasi überall eine Werkstatt. Die Schrottschleudern, die sich über die asiatischen Straßen schleppen, gehen alle Nase lang mal hops. Da ist es praktisch, wenn auch alle Nase lang mal ein Mechaniker ist. Nur erkennen muss man die kleinen Verschläge. Das ist die größte Herausforderung. Angeblich gibt es auch ein Zeichen auf der Straße (eine Öllampe oder sowas), wenn eine Werkstatt versteckt im Hinterhof liegt. Habe wir aber nie gesehen.

Ein anderes Mal, nachdem es mich auf der Straße in Laos hingelegt hatte – wie oben erwähnt – hat es mir meine komplette Gangschaltung verbogen (ich fuhr zu diesem Zeitpunkt keinen Roller, sondern ein manuelles Motorrad). Im 2. Gang bin ich dann bis in die nächste Ortschaft getuckert. Der Hotelbesitzer hat uns dann gesagt, wo der beste Mechaniker ist. Dieser schraubte gerade an irgendwas rum und war der englischen Sprache nicht mächtig. Also zeigte ich auf die Gangschaltung, deutete die Gänge mit meinen Fingern und machte bestätigende oder verneinende Geräusche dazu. Eigentlich hätte man das filmen müssen… Erstaunlicherweise wusste der mürrische Herr sofort, was ich meinte und fing an mit einer mächtigen Eisenstange an meinem Motorrad rumzubiegen. Voller banger Erwartung schaute ich ihm zu und erwartete, dass es hinterher kaputter sein wird als vorher. Aber nein, nach 10 Minuten und 2x Probefahren lief alles einwandfrei. Preis: 50ct. Kein Scherz. Ein Paradies für alle Bruchpiloten.

Also, solang ihr keine ernstzunehmenden Schäden habt, kann euch so ziemlich jeder Mechaniker weiterhelfen und das meist zu einem mehr als fairen Preis. Natürlich lege ich aber nicht für jeden meine Hand ins Feuer.
Last but not least einer der wichtigsten Tipps am Ende dieser ewigen Berichterstattung: Fahrt nicht in der Großstadt. Tut es einfach nicht. Das ist Selbstmord. Es gibt andere Möglichkeiten.

So gar nicht sexy, wie man es sich vorstellen könnte 😀
Love ♥ Dorie




