Aktualisiert August 2026. Ursprünglicher Beitrag veröffentlicht 2019.

Nachhaltig reisen klingt schnell nach Verzicht, schlechtem Gewissen und einer langen Liste an Dingen, die man nicht mehr darf. Genau darauf habe ich keine Lust. Ich reise gerne. Ich fliege auch. Ich war nicht immer konsequent und werde es wahrscheinlich nie perfekt machen.

Aber ich glaube, dass nachhaltiger reisen trotzdem möglich ist. Nicht als moralischer Wettbewerb, sondern als Summe kleiner Entscheidungen: weniger Müll, bessere Anbieter, mehr Zeit vor Ort, respektvoller Umgang mit Menschen, Tieren und Natur. Hier kommen 7 Tipps für mehr Nachhaltigkeit auf Reisen, die wirklich machbar sind.

Nachhaltig reisen: die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Langsamer reisen: weniger Orte abhaken, dafür länger bleiben.
  • Plastik reduzieren: Trinkflasche, Beutel und kleine Routinen helfen unterwegs.
  • Bewusst buchen: lokale Unterkünfte, Guides und Anbieter unterstützen.
  • Tierangebote kritisch prüfen: im Zweifel lieber nicht buchen.
  • Keine Natur-Souvenirs kaufen: Muscheln, Korallen, Tiere und Pflanzen bleiben besser dort, wo sie hingehören.
  • Transport überdenken: Zug, Bus und längere Aufenthalte können viel ausmachen.
  • Perfektion loslassen: besser viele realistische Entscheidungen als gar keine.

1. Reise langsamer statt alles abzuhaken

Der vielleicht größte Hebel für nachhaltigeres Reisen ist nicht der Bambusstrohhalm, sondern die Art, wie wir Reisen planen. Wer in zwei Wochen sieben Orte abhaken will, produziert automatisch mehr Transfers, mehr Stress und oft auch weniger echte Verbindung zu einem Land.

Langsamer reisen heißt nicht, dass du monatelang unterwegs sein musst. Es kann schon bedeuten, aus fünf Stopps drei zu machen, nicht jeden zweiten Tag den Ort zu wechseln oder eine Stadt wirklich zu Fuß zu erkunden, statt direkt weiterzufahren. Das ist oft nicht nur nachhaltiger, sondern auch schöner.

Gerade für gute Reiseplanung ist das ein wichtiger Gedanke: Eine gute Route ist nicht die, die am meisten reinquetscht. Eine gute Route lässt Raum zum Atmen.

2. Reduziere Plastik, ohne dich verrückt zu machen

Plastik auf Reisen komplett zu vermeiden, ist in vielen Ländern schwierig. Manchmal ist Leitungswasser nicht trinkbar, manchmal gibt es keine Refill-Stationen und manchmal bekommt man trotz fünfmaligem Nein doch einen Plastikstrohhalm ins Getränk gesteckt. Trotzdem kann man einiges reduzieren.

  • eine eigene Trinkflasche mitnehmen
  • einen Stoffbeutel oder kleinen Einkaufsbeutel dabeihaben
  • Strohhalme und Einwegbesteck ablehnen, wenn es einfach möglich ist
  • größere Wasserkanister statt vieler kleiner Flaschen kaufen, wenn Trinkwasser nicht aus der Leitung kommt
  • feste Kosmetikprodukte testen, wenn sie für dich praktikabel sind

Der Punkt ist nicht, jede Plastikflasche als persönliches Versagen zu sehen. Der Punkt ist, unterwegs mitzudenken und dort weniger Müll zu verursachen, wo es ohne großen Aufwand geht.

3. Buche lokaler und bewusster

Nachhaltigkeit auf Reisen ist nicht nur Umweltschutz. Es geht auch darum, wo dein Geld landet. Große Plattformen und internationale Ketten sind bequem, aber oft bleibt weniger vor Ort hängen als bei kleinen Unterkünften, lokalen Guides, Restaurants, Märkten oder familiengeführten Angeboten.

Ich finde nicht, dass man deshalb nie in einem Hotel schlafen oder nie über große Plattformen buchen darf. Aber man kann bewusster entscheiden: Muss es die internationale Kette sein? Gibt es lokale Anbieter? Kann ich eine Tour direkt bei einem Guide buchen? Unterstütze ich ein Projekt, das Menschen vor Ort fair bezahlt?

Das Schöne daran: Diese Entscheidungen machen Reisen oft nicht nur fairer, sondern auch persönlicher. Man bekommt mehr echte Begegnungen und weniger austauschbare Standarderlebnisse.

4. Hinterfrage Tierangebote konsequent

Mit Tigern kuscheln, Elefanten reiten, Löwenbabys streicheln, Delfine anfassen: Solche Angebote sehen auf Fotos oft harmlos oder sogar magisch aus. Dahinter steckt aber sehr häufig Tierleid. Und nicht immer ist es auf den ersten Blick erkennbar.

Auch ich habe früher Dinge gemacht, die ich heute nicht mehr machen würde. Elefantenreiten zum Beispiel. Damals dachte ich, wenn ein Camp gut aussieht und von sich behauptet, artgerecht zu sein, wird es schon passen. Heute weiß ich: Ein Elefant trägt keine Menschen, weil er das so lustig findet. Im Zweifel lieber Abstand nehmen.

  • keine Shows mit Wildtieren buchen
  • keine Fotos mit sedierten oder angeketteten Tieren machen
  • kein Elefantenreiten
  • keine Anbieter unterstützen, bei denen Tiere angefasst, gefüttert oder für Selfies benutzt werden
  • bei Sanctuaries genau prüfen, ob sie wirklich Schutz bieten oder nur gutes Marketing machen

Eine gute Faustregel: Wenn ein wildes Tier für dein Erlebnis etwas tun muss, das es in der Natur nie tun würde, ist Skepsis angebracht.

5. Kaufe keine Souvenirs aus Tieren, Korallen oder geschützten Pflanzen

Souvenir-Shopping klingt harmlos, kann aber richtig problematisch werden. Muscheln, Korallen, Tierprodukte, Federn, Reptilienleder, bestimmte Hölzer oder Pflanzen können geschützt sein. Und selbst wenn etwas auf einem Markt offen verkauft wird, heißt das nicht automatisch, dass du es legal ausführen oder nach Hause einführen darfst.

Auch bei Muscheln und Korallen wäre ich vorsichtig. Vieles wurde nicht zufällig am Strand gefunden, sondern aktiv aus dem Ökosystem geholt. Dazu kommt: An der Grenze kannst du im Zweifel nicht beweisen, dass dein Fundstück harmlos war.

Schönere Alternativen sind lokale Keramik, Textilien, Gewürze, Papierwaren, Kunsthandwerk oder Dinge, die klar ohne Schaden an Tieren und Natur hergestellt wurden. Und manchmal ist das beste Souvenir einfach ein gutes Foto und eine Geschichte, die bleibt.

6. Denk Transport nicht nur in Flug oder Nicht-Flug

Ich bin absolut schuldig, wenn es um Flugreisen geht. Und ich werde niemandem erzählen, dass man nur noch Heimaturlaub machen darf. Das wäre nicht ehrlich. Aber Transport ist trotzdem ein großer Teil der Reisebilanz.

Manchmal ist der Zug eine echte Alternative. Manchmal der Bus. Manchmal ist es sinnvoller, weniger Orte zu kombinieren, statt im Urlaub ständig Kurzstreckenflüge zu nehmen. Und manchmal ist der Flug zwar realistisch, aber man kann vor Ort bewusster weiterreisen.

  • bei kürzeren Strecken Zug oder Bus prüfen
  • am Zielort häufiger laufen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen
  • nicht jeden Ort in eine Route pressen
  • bei Fernreisen lieber länger bleiben, statt für wenige Tage sehr weit zu fliegen
  • Inlandsflüge hinterfragen, wenn es gute Landwege gibt

Es geht nicht darum, nie wieder zu fliegen. Es geht darum, bewusster zu entscheiden, wann ein Flug wirklich Sinn ergibt.

7. Verwende Sonnenschutz und Kosmetik mit mehr Bewusstsein

Sonnencreme ist wichtig. Punkt. Ich würde niemals empfehlen, sie einfach wegzulassen. Gleichzeitig lohnt es sich, bei Strand-, Schnorchel- und Tauchreisen genauer hinzuschauen, welche Produkte man nutzt und wann man sie aufträgt.

Gerade in empfindlichen Meeresregionen ist Kleidung oft der bessere Schutz: UV-Shirt, Hut, Sonnenbrille, Schatten, Mittagssonne meiden. Sonnencreme bleibt wichtig, aber sie muss nicht die einzige Schutzmaßnahme sein. Bei Produkten kannst du auf Hinweise wie riffreundlich, ohne bestimmte problematische UV-Filter oder mineralische Filter achten, solltest dich aber nicht blind auf Marketingbegriffe verlassen.

Auch hier gilt: Nicht perfekt, aber bewusster. Wenn du in sensiblen Naturregionen unterwegs bist, lohnt sich ein bisschen Recherche vorab.

Bonus: Nachhaltigkeit heißt auch Respekt vor Menschen vor Ort

Ein Punkt, der bei nachhaltigem Reisen oft zu kurz kommt: Menschen. Es reicht nicht, eine Bambuszahnbürste einzupacken und dann vor Ort respektlos aufzutreten. Nachhaltigkeit bedeutet auch, lokale Regeln, Religionen, Kleidungsvorschriften, Privatsphäre und Lebensrealitäten ernst zu nehmen.

  • Menschen nicht ungefragt fotografieren
  • religiöse Orte respektieren
  • angemessene Kleidung tragen, wenn es kulturell wichtig ist
  • nicht um jeden Preis handeln, wenn es um Kleinstbeträge geht
  • keine Orte nur als Kulisse benutzen

Für mich ist das vielleicht der wichtigste Teil von nachhaltigem Reisen: nicht nur möglichst wenig Schaden hinterlassen, sondern mit mehr Bewusstsein unterwegs sein.

Fazit: Nachhaltig reisen muss nicht perfekt sein

Nachhaltig reisen bedeutet für mich nicht, alles richtig zu machen. Das schafft kaum jemand. Es bedeutet, die eigenen Entscheidungen nicht komplett auszublenden. Weniger Müll, mehr Respekt, bewusstere Anbieter, langsamere Routen, weniger Tierleid und mehr echtes Interesse an den Orten, die wir besuchen.

Wenn viele Menschen auf Reisen ein bisschen bewusster handeln, ist das mehr wert als ein paar wenige, die perfekt sein wollen und daran scheitern. In diesem Sinne: Happy Travels, aber mit Hirn und Herz.

FAQ: Nachhaltigkeit auf Reisen

Wie kann man einfach nachhaltiger reisen?

Schon kleine Entscheidungen helfen: weniger Orte in kurzer Zeit, weniger Einwegplastik, lokale Anbieter buchen, Tierangebote kritisch prüfen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen und Souvenirs bewusster auswählen.

Ist nachhaltiges Reisen teuer?

Nicht automatisch. Zugreisen können teuer sein, aber länger bleiben, weniger konsumieren, lokal essen, weniger Müll verursachen und bewusster planen kostet oft nicht mehr. Manchmal spart es sogar Geld.

Muss man komplett auf Fliegen verzichten?

Das wäre für viele unrealistisch. Sinnvoller ist oft, Flüge bewusster zu planen: weniger Kurztrips mit weiter Anreise, längere Aufenthalte, weniger Inlandsflüge und vor Ort häufiger Bus, Bahn oder Füße nutzen.

Welche Tierangebote sollte man meiden?

Meiden würde ich Angebote, bei denen Wildtiere angefasst, geritten, für Fotos benutzt, angekettet oder zu unnatürlichem Verhalten gebracht werden. Im Zweifel lieber nicht buchen.