Go with the flow: How to survive in asian traffic – Part 1

Travel Tuesday: Anarchie auf und zwischen den Bürgersteigen. Begeben wir uns auf einen Ausflug in die Verkehrslage Vietnams und anderer asiatischer Länder. Vietnam ist das Extremste, was ich bisher erlebt habe.

Daher orientieren wir uns an diesem Land, dann kann in den anderen fast nichts mehr schiefgehen. (Vorsicht: Thailand hat Linksverkehr!) Eigentlich sollte das ein Post über Hanoi werden, aber das Kapitel Verkehr ist so explodiert, dass ich entschieden habe erstmal über ein paar Grundregeln aufzuklären. Die sind dann so ausgeartet, dass ich entschieden habe, das Thema auch nochmal auf 2x aufzuteilen: Für Fußgänger und motorisiert. Unübertrieben überlebenswichtige Tipps, wenn man sich auf asiatische Straßen begibt.

Verkehr Hanoi

Das Verkehrschaos und dessen Hierarchie

Der wohl wichtigste Grundsatz, den ihr euch wirklich ins Hirn hämmern müsst, ist: KEINER BREMST. Keine Lüge, keine Übertreibung. In Vietnam gibt es eine klare Hierarchie unter den Verkehrsteilnehmern, die sich – grob gesagt – danach richtet, wer den Größeren hat 😉 Das hängt auch mit dem gesellschaftlichen Status zusammen. Also wer hat Vorfahrt?

  1. Alles ab LKW-Größe kommt als erstes. Bus, Zug, Flugzeug, Panzer… doesn’t matter.
  2. SUVs. Du hast einen sehr sehr guten Job. So gut, dass du dir einen SUV leisten kannst. Die Steuern auf Autos sind in Vietnam galaktisch. Je nach Quelle (Fremdenführer vs. Internet) zwischen 80 – 200%. Ist wahrscheinlich auch schwankend, je nachdem wer gerade den Antrag ausfüllt oder wie das Wetter ist oder der Staatshaushalt aussieht. Fest steht, dass man selbst für europäische Verhältnisse einen HAUFEN Schotter haben muss, um SUVs zu fahren. Und wenn du einen Haufen Schotter hast, hast du natürlich Vorfahrt, ganz klar.
  3. Kleinwagen. Du hast ein Auto, du bist immer noch der King. Aber halt nicht der Kaiser.
  4. Roller: Fahrbarer Untersatz mit Motor. Damit hast du es zumindest schon aus der Gosse geschafft und du hast IRGENDEINEN Wert.
  5. Fahrräder und Fußgänger. Wenn du zu dieser Spezies gehört, bist du gesellschaftlich irgendwo zwischen Kanarienvogel und Kellerratte. Nee, warte die kann man Essen. Irgendwo zwischen Nacktmull und Stubenfliege. Ergo bremst auch keiner für dich. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und Karma tut das Übrige dazu. Wozu also bremsen, weil wenn es nicht vorbestimmt ist, dass du überfahren wirst, wird es auch nicht geschehen. Also: Lücken suchen, rennen, niemals stehen bleiben und beten.

In anderen (von mir bisher bereisten) Ländern ist das nicht ganz so extrem. Aber es kommt nah ran.

Traffic Asia

Das harte Leben eines Fußgängers

Ein Satz, den ich mir beim Überqueren der Straßen immer wieder wie ein Mantra vorgesagt habe, war: „Go with the flow“. Finde heraus, wie es so um dich herum fließt. Denn irgendwie funktioniert der Verkehr dort wahnsinnig gut. Auch in Abwesenheit von Zebrastreifen und unter strengster Missachtung jeglicher Verkehrsregeln und Ampeln, haben wir nur so 3-4 Unfälle mitbekommen. Guter Schnitt für die Verhältnisse. Ja, Vietnam gehört zu den Ländern mit den meisten Verkehrstoten. Liegt aber vermutlich auch daran, dass es billiger für einen armen Asiaten ist, wenn der Überfahrene WIRKLICH tot ist, als wenn er eine jahrelange Behandlung zahlen muss. Diese Quelle habe ich nicht überprüft, aber nach dem Erlebten zu urteilen, ist das durchaus glaubwürdig.

Eine sehr wichtige Regel: Niemals auf der Straße stehen bleiben, weil ihr euch plötzlich doch unsicher werdet. Ich habe das ein paar Mal gemacht, weil ich dachte „Das schaffe ich nicht, den lasse ich lieber vorbei“ – FALSCH! Ich hätte beinahe den ein oder anderen Unfall verursacht. Asiaten sind daran gewöhnt auszuweichen. Ist ja nicht so, dass sie dich mutwillig über den Haufen fahren wollen. Nur bremsen ist halt nicht drin.

Jetzt müsst ihr euch das Ganze so vorstellen: Der Rollerfahrer sieht, wie du einen Schritt auf die Straße machst. In Sekundenschnelle berechnet er deine grobe Laufbahn und Geschwindigkeit und weiß dann genau, an welcher Stelle er einen Bogen schlagen muss, um dich noch ausreichend zu erschrecken und dir seine Abgase ins Gesicht zu blasen, alles ohne dich zu berühren. Wahrscheinlich ist es nur reiner Instinkt und Reaktionsschnelle, aber das würde nur unnötig Angst machen. Deswegen unterstreichen wir hier das Klischee des asiatischen Superbrains, der innerhalb eines Augenzwinkerns diverse mathematische Formeln anwendet und deine und seine Laufbahn berechnet. Ein bisschen mehr Vertrauen in die Menschen bitte! Und wenn da jetzt also plötzlich einer stehen bleibt, dann zerstört es ihm seine komplette Berechnung! Das ist dann quasi der Fehler 1. Art vom Hypothesen-Test. Oder nee, warte, wie war das nochmal? Ach ist ja auch wumpe! Auf jeden Fall verursacht die plötzliche Reduzierung der Geschwindigkeit einen fetten Error im Rechenzentrum des rasenden Rollerfahrers und da kann das System auch schon mal aus Panik eine Fehlentscheidung treffen. Daher ist es von Vorteil, wenn man jemanden mit sich hat, der dich dann aus der gefährlichen Bahn zieht, in die du dich durch dein unüberlegtes und europäisch-instinktives Verhalten begeben hast. Also never ever stop!

[Sicherheitshinweis: Ständige Bewegung ist nicht gleichzusetzen mit starrem Durchziehen der eigenen Route. Da jedes Rechenzentrum anders läuft und diese nur bedingt gekoppelt sind, gibt es viele verschiedene Routen von verschiedenen Fahrern, welchen man dann doch mal ausweichen muss. Also Geschwindigkeit an unmittelbare Umgebung anpassen.]

Market Traffic Da Lat

Weitere Tipps aus dem Traveler-Leben:

Ich habe einen sehr nützlichen und einfachen Tipp für euch: Zeit lassen – die braucht ihr sowieso – den Verkehr am Straßenrand genau analysieren. Eventuelle Startpunkte berechnen und einige Probeschritte Richtung Fahrbahn wagen. Dann auf einen Einheimischen warten und in dessen parallelen Windschatten leicht panisch mitlaufen. Diese/r Einheimische ist dann dein lebendes Schutzschild und Schülerlotse! Super praktisch und lernt einen den Flow des asiatischen Verkehrs.

Auf der anderen Seite der Straße dürft ihr dann Gott, Allah, euren Eltern oder wem auch immer danken, dass ihr noch lebt. Anschließend möglichst lange auf einer Straßenseite laufen. 😀

Verkehr Asien

Ach ja, was man als Fußgänger auch vielleicht mal gehört haben sollte:

  1. Fußgängerzonen sind nur dann gültig, wenn die Polizei hinschaut und man nicht genug Geld zum Bestechen dabeihat, oder es kürzere Wege gibt. Beides kommt so gut wie nie vor. (Bediene ich hier etwa schon wieder Vorurteile und Klischees? Pfui! 😉 ) Manchmal sind zu große Menschenmassen auch abschreckend, z.B. auf Märkten, denn dann zählt die Überlegenheit der breiten Masse. Yey, im Gedränge dürft ihr euch sicher fühlen.
  2. Wenn auf der Straße Stau ist, gibt es viele Möglichkeiten zur Lösung. Die wohl beliebteste könnte man so beschreiben: Kauf dir einen neuen Aschenbecher, wenn der alte voll ist. Also: wenn die Straße verstopft ist, dann muss der Gehweg eben dran glauben. Wir erinnern uns an die Hierarchie und hören JETZT auf uns darüber zu wundern. Dies ist vor allem in Saigon (Ho-Chi-Minh City) ein weit verbreitetes Brauchtum, aber man sollte allgemein immer stutzig werden, wenn’s hinter einem plötzlich laut brummt und hupt.

Motorbike on sidewalk

Also fassen wir mal unseren ersten Teil zusammen:

Go with the flow. Regeln zählen nichts. Du zählst nichts. Bete und finde eine Lücke. Oder einen Einheimischen.

rush hour saigon

Ich hoffe, ich habe euch ein bisschen weitergeholfen oder dass ihr einfach nur Spaß am Lesen hattet.

Wenn ja, dann folgt mir doch auf meinem Blog, FB, Instagram oder Pinterest. Auch übers Teilen freue ich mich. Spread the word: Go with the flow! 😀

Solltet ihr noch Ergänzungen oder Erfahrungen haben, schreibt mir. Ich füge die gerne mit einem Verweis auf euch noch ein 🙂

Love ♥ Dorie

PS. Um erzürnten Kommentaren vorzubeugen: Ich bediene hier eine Vielzahl verschiedener Vorurteile und Klischees. Da mein Text aber auch schön zum Lesen sein soll, verstehe ich das hier als künstlerische Freiheit. Ich denke keinesfalls in starren Mustern über unsere asiatischen Mitmenschen. Meistens. 😉

0 Gedanken zu &8222;Go with the flow: How to survive in asian traffic – Part 1&8220;

  1. Klasse Beitrag Dorie, ich habe mich schon auf deine Tipps gefreut 🙂 Ich muss zugeben, das ich schon bei uns im Städtchen „Straßenangst“ habe, da bin ich mal gespannt wie es nächstes Jahr dort zurecht kommne 😀
    Liebe Grüße 🙂

    1. Danke 🙂 wo geht’s denn hin? Wie gesagt, Vietnam und v.a. die Großstädte sind das extremste, was ich bisher erlebt habe. Ich glaube Indien könnte auch so ähnlich sein. Der Rest ist dann wahrscheinlich eh größtenteils zivilisierter, laut meiner Erfahrung 😀

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