Hello Hanoi – What to do and to see

Posted: Dezember 13, 2016 by Dorie

Vor 3 Wochen wollte ich ja einen Artikel ĂŒber Hanoi schreiben. Daraus entstand dann meine 3-teilige Reihe „Go with the flow – how to survive asian traffic“. Nachdem wir jetzt aber dieses Kapitel abgehakt haben, können wir uns nun wirklich der Stadt selbst widmen (wer ĂŒbrigens Teil 1, 2 oder 3 nochmal lesen will klickt einfach auf die Nummern). Wie gesagt, der Verkehr ist crazy!

Hanoi stresst ein bisschen.

Hanoi ist eine Stadt, ĂŒber die ich eine sehr gespaltene Meinung habe. Ohne Zweifel ist es eine Stadt, die sich lohnt gesehen zu haben. Denn Hanoi zĂ€hlt wohl zu den authentischsten asiatischen GroßstĂ€dten, die man so findet. Also authentisch im westlichen Sinne. Sprich: nicht westlich. Hier ist zu großen Teilen noch die Zeit stehen geblieben. Hanoi ist groß, laut, hektisch und ein wenig dreckig. Es gehört nicht zu dem modernen Asien wie Bangkok oder Kuala Lumpur. Es ist eine vergleichsweise arme Stadt und man merkt den kommunistischen Einfluss.

Ich persönlich bin kein Fan von Hanoi. Es ist mir zu laut und hektisch und einfach stressig. Das typische Asien kann einem ganz schön auf den Senkel gehen. Aber das ist auch Geschmackssache. Mein Freund hat das anders wahrgenommen. Und ich habe auch Leute getroffen, welche Hanoi liebten, eben, weil es nicht so modern und abgehoben ist, wie andere GroßstĂ€dte. Daher sollte man es sich einfach mal selbst ansehen.

Straßenleben Hanoi

Was hat Hanoi zu bieten?

Als wir Anfang Juli 2016 in Hanoi waren, hatte es jeden Tag 35 Grad und ca. 70% Luftfeuchtigkeit. Das war suuuuuper anstrengend. Wir haben uns dennoch so einiges angesehen. Wir waren aber auch sehr froh, um unser klimatisiertes Hotel. Es hieß Hanoi Central Park Hotel (glaube ich) und wir waren sehr zufrieden. Nettes Personal, sauber und sehr zentral 🙂 Also schaut, dass ihr einen schönen RĂŒckzugsort habt, an dem ihr euch von der Hitze erholen könnt.

Aber das nur so am Rande. Hanoi ist nicht die Stadt, die mit einer SehenswĂŒrdigkeit nach der anderen aufwarten kann. Es gibt ein paar Stationen, doch es ist nicht ein Wow-Effekt nach dem anderen. Hanoi lebt von dem Moment. Es ist nicht das große Bauwerk, welches beeindruckt. Es sind die kleinen Momente, die auf der Straße passieren, welche einem Land und Leute nĂ€herbringen (das gilt sowieso immer) und vor allem in Hanoi kann man noch viel „typisch“ asiatisches Leben spĂŒren. Also auch, wenn es wahnsinnig anstrengend sein kann, solltet ihr euch Hanoi einfach zu Fuß ansehen.

Arbeiter Hanoi

Gut, aber damit hier mal etwas Struktur in den Text kommt: Was sollte man in Hanoi eigentlich gemacht haben?

1. Ho Hoan Kiem (oder von mir kurz Kiemsee genannt)

Um diesen zentralen See der Stadt, spielt sich das Leben ab. Er wird als das Herz der Stadt bezeichnet. TatsĂ€chlich lĂ€dt dieser Ort definitiv zum Verweilen ein (im Gegensatz zu den anderen Seen der Stadt). Am Seeufer sitzen die Menschen, es gibt StraßenverkĂ€ufer mit Wasser oder unnötigem Spielzeug und andere machen Yoga. NatĂŒrlich rankt sich auch eine Legende um diesen See. NĂ€mlich ĂŒber eine riesige Schildkröte, deren toter Bruder auf der kleinen Insel in der Mitte des Sees ausgestellt ist. Wir haben ihn aber nicht gesehen, da dieser Tempel Eintritt kostet und ich tote Schildkröten auch im chinesischen Restaurant begutachten kann (kleiner Witz am Rande 😉 ). Ein Spaziergang zum und um den See lohnt auf jeden Fall und spendet immer wieder Schatten an zu heißen Tagen.

Kiemsee Tempel

See Hanoi

BrĂŒcke See Hanoi Nacht

See Hanoi Nacht

2. Mit Studenten am Kiemsee reden

Es gibt tatsĂ€chlich Menschen, welche einem nichts verkaufen wollen. Daher lohnt es sich stehen zu bleiben, wenn eine kleine Gruppe junger asiatischer Menschen im gebrochenen Englisch fragt, ob man weiterhelfen könnte. Wir misstrauische EuropĂ€er erwarten immer das Schlimmste. Aber tatsĂ€chlich ist die benötigte Hilfe manchmal einfach nur ein GesprĂ€ch auf Englisch, damit die Studenten ĂŒben können. Dadurch ergeben sich wunderbare Momente und man erfĂ€hrt spannende Geschichten ĂŒber das Land. Sich ein wenig Zeit nehmen und sich am Seeufer mit ein paar jungen Menschen niederlassen, bereichert auf jeden Fall nicht nur das Wissen der Studenten.

3. St. Jospeh’s Catedrale

Oder besser gesagt die CafĂ©s drum herum. Die St. Josephs Kathedrale ist eine Kirche, wie man sie in Europa ziemlich hĂ€ufig findet. Der Fakt, dass dafĂŒr in der Kolonialzeit ein steinalter Tempel weichen musste, weil die Herrschaften sich eingebildet haben, genau an DIESER Stelle ihr Gotteshaus zu bauen, macht den dĂŒsteren Bau nicht unbedingt sympathischer. SĂŒĂŸ sind dafĂŒr die kleinen CafĂ©s rund um den Platz, welche mit schmalen Balkonen und Ventilatoren zum Verweilen einladen. Ein Mittagessen im klimatisierten Innenraum lĂ€sst einen wieder frisch werden. Ein anschließender Kaffee auf dem Balkon, bei dem man dem Treiben zuschaut, verspricht schöne Momente. Die Preise sind gehobener, aber fĂŒr unseren europĂ€ischen Geldbeutel immer noch mehr als leistbar (das soll keineswegs arrogant klingen, aber es ist nun mal wie es ist).

Kirche Hanoi

4. Ho-Chi-Minh Mausoleum

Das ist sowohl ein Do als auch ein Don’t.

Warum Do: Das GebĂ€ude ist so ein fĂŒrchterlicher Klotz, den muss man einfach gesehen haben. Der Platz davor ist riesig und es gibt eine Patrouille, die PEINLICHST genau darauf achtet, dass eine am Boden aufgezeichnete, gelbe Linie nicht ĂŒbertreten wird. Ich habe diese Linie nicht gesehen und wurde blitzschnell mit einer Trillerpfeife weggejagt 😀

Ho Chi Minh wird von den Vietnamesen ĂŒbrigens auch Onkel Ho genannt. Das klingt aber eigentlich nur fĂŒr uns so lustig. Im Vietnamesischen ist die Bezeichnung „Onkel“ höchst respektvoll gemeint und kann auch Menschen außerhalb der leiblichen Familie meinen. Damit hört mein Vietnamesisch-Wissen auch wieder auf, aber ich fand es erwĂ€hnenswert, dass der lustige Onkel nicht so ein lustiger Geselle ist, wie man von der deutschen Sprache ausgehend vermuten könnte.

Okay, sehr abgeschweift. Also weiter im Text: Wenn man auf die andere Seite des Mausoleums geht, dann kommt man dorthin, wo wir tatsĂ€chlich nicht waren: Dem Eingang. Aber aus einer sehr genauen Beschreibung eines anderen Reisenden, kann ich euch ein bisschen sagen, wie das ablĂ€uft: Man schiebt sich non-stop in einer endlosen Schlange durch zig Kontrollen. Man darf niemals stehen bleiben, denn die Massen mĂŒssen da irgendwie durchgeschleust werden. Dann geht die Runde einmal um den aufgebahrten Onkel Ho herum, alle sind vor Ehrfurcht ganz still und dann geht es im Schweinsgalopp wieder nach draußen.

Und da wĂ€ren wir auch schon beim Warum Don’t: Ho Chi Minh wollte niemals aufgehoben, sondern verbrannt und dann ĂŒber seine LĂ€nder verteilt werden. Jetzt ist er nicht verbrannt und die Leute rennen in Scharen einmal um ihn herum. Manch einer mag sagen, dass das egal ist, schließlich ist er ja eh tot. Aber in meinen Augen ist es scheinheilig zu sagen, dass ich jemanden als Nationalheld so unfassbar verehre und dann aber seinem letzten Wunsch nicht nachkomme. Ich habe damit ein massives Problem. Sorry.

Hanoi Mausoleum

Hanoi Forbidden Area

5. Irgendeine Pagode am See

Wow, wahnsinnig genaue Beschreibung. Aber steht man vorm Mausoleum, auf der Seite wo wir waren, dann muss man einfach nach rechts weiterlaufen. Dort kommt erst der PrĂ€sidentenpalast und dann ein ziemlich großer See (ich denke es war der West Lake) mit ziemlich vielen toten Fischen drin. Wenn man am rechten Rand des Ufers entlanglĂ€uft, was eigentlich ganz nett ist, weil Schatten und grĂŒn und so, dann kommt man zu einer Pagode. Diese ist auf einer kleinen Insel in den See hinein gebaut und es ist tatsĂ€chlich kostenlos sie sich anzusehen. Die Anlage ist ganz schön und damit wĂ€re dieses Kulturprogramm auch abgehakt 😉 NatĂŒrlich gibt es noch jede Menge weitere bedeutende Pagoden und Tempel und Zeug in Hanoi, aber ich weiß nicht, ob man sich tatsĂ€chlich alle ansehen muss. Aber eine schöne Station gibt es auf jeden Fall noch.

Pagode Hanoi

Pagode West Lake

6. Der Literaturtempel

Dies ist nicht nur ein geschichtstrĂ€chtiger Bau, sondern auch einfach ein schöner Ort. Es ist außerdem der bedeutendste Literaturtempel in ganz Vietnam. Lest euch am besten einige Fakten dazu vor dem Besuch durch, denn wird man sich bewusst, dass man auf fast 1000 Jahre alten Böden lĂ€uft und durch RĂ€ume wandelt, in denen die konfuzianischen Lehren unterrichtet wurden, dann erhĂ€lt dieser Ort noch mal mehr an einer beeindruckenden Aura. Auch sich kurz anzusehen, was hinter der Architektur steckt, ist interessant. Denn hier ist nichts dem Zufall ĂŒberlassen. Kleiner Tipp von mir: Geht so eine Stunde vor Schließung hin. Wir waren in der DĂ€mmerung da. Daher war es fast leer und die Anlage hatte eine ganz eigene, ehrfurchtsvolle Ausstrahlung. Naja, dafĂŒr sind die Bilder aber nicht so gut geworden 😉

GegenĂŒber der Anlage ist ĂŒbrigens noch ein kleiner Park mit See. Da lĂ€sst es sich ganz nett drum herumspazieren und den Einheimischen beim Quatschen und Spielen zusehen.

Hanoi Literaturtempel

Literaturtempel

SchĂŒssel Literaturtempel

7. Esst auf der Straße!

Das klingt komisch, gehört aber zu den besten Erlebnissen ĂŒberhaupt. Man sieht ĂŒberall auf der Straße meist Frauen, welche in ein paar Körben Essen transportieren. Entweder auf den Fahrrad, oder einfach durch eine Stange verbunden und auf die Schultern gelegt. Also „einfach“ ist vielleicht das falsche Wort. Auf jeden Fall hatten Timo und ich wirklich Hunger und da es nirgendwo einen Bistro gab, haben wir uns fĂŒr so einen Straßen-„Stand“ entschieden. Irgendwas bruzzelte da nĂ€mlich im Fett, was aussah wie frittiertes Omelette. Wird man wohl so auf die Hand bekommen, dachten wir uns und bestellten 2 Stk. Die Frau nickte begeistert, deutete auf zwei winzige Kinder-Plastikhocker auf den Boden, drehte einen Eimer um und stellte darauf ein Tablett. Dann begann sie das Omelette mit einer Schere zu zerschneiden und das gleiche mit Reisnudeln und dies auf 2 Tellern zu verteilen, welche sie in einem anderen Plastikeimer abgespĂŒlt hatte. Dazu wurde dann noch in einer Plastikflasche eine Fischsauce angerĂŒhrt und das Essen mit KrĂ€utern verziert. Wir bekamen also eine riesen Mahlzeit aufkredenzt, mit den einfachsten Mitteln. Hallo Durchfall, dachten wir uns. Aber das Essen hat nicht nur wunderbar geschmeckt, sondern uns tatsĂ€chlich auch nicht krank gemacht. Die sĂŒĂŸe Vietnamesin verstand kein Wort Englisch, aber als sie gesehen hatte, wie sehr wir beim Essen schwitzen (wie gesagt: 35°), nahm sie ein anderes Tablett und fĂ€cherte uns Luft zu. Dabei grinste sie unaufhörlich und wir auch 🙂 Das ganze hatte dann vielleicht 2 Euro gekostet, wenn ĂŒberhaupt und wir waren papp satt und eine wunderbare Erfahrung reicher ♄

Streetfood Hanoi

Und was braucht man sich nicht in Hanoi ansehen?

Da gibt es 3 Dinge, aber das ist natĂŒrlich nur meine persönliche Meinung:

  1. Die anderen Seen. Die sind nĂ€mlich einfach nicht schön. Obwohl man das wahrscheinlich gar nicht so ĂŒber den Kamm scheren kann. Es gibt nĂ€mlich irgendwie ganz schön viele Seen in dieser Stadt. Und vielleicht auch wirklich schöne. Nur von denen, die ich gesehen habe, war nur der Kiemsee schön. Aber findet es selbst heraus 🙂
  2. Das Kolonialviertel. Whaaaat? Ja, also ich muss sagen, ich war in anderen Vierteln, wo es mehr nach Kolonialzeit aussah, als im groß angepriesenen Kolonialviertel. Wenn ihr mit offenen Augen durch die Stadt wandert, dann seht ihr die alte Architektur sowieso noch ĂŒberall.
  3. Die Zitadelle und den Flaggen-Turm. Joa, groß und klotzig. Irgendwie seelenlos. Nichts, was mich jetzt angelacht hĂ€tte. Aber das ist natĂŒrlich auch wieder typabhĂ€ngig.

Flagturm Hanoi

Summa Summarum:

Hanoi sollte man sich einfach mal geben. Einfach mal reinschnuppern und sich einfach mal drauf einlassen. StĂŒrzt euch in das Großstadtchaos, riecht die verpestete Luft, esst mit den Einheimischen und schaut von einer erhöhten Terrasse bei einem kĂŒhlen Bier dem Verkehrschaos zu. Und wenn eure Lungen und Herzen und BĂ€uche gefĂŒllt sind mit der vollen Dröhnung Hanoi, dann packt so schnell wie möglich eure Sachen und schaut euch den Rest dieses schönen Landes an.

Love ♄ Eure Dorie

No Comments

  • Geraldine Schiesser Februar 21, 2017 at 1:55 pm

    Cooler Beitrag Dorie! Finde es schön dass man genau deine Sicht der Dinge mitbekommt. Weiter so!

    Reply
    • dorie Februar 21, 2017 at 3:48 pm

      Danke dir 🙂 freut mich sehr

      Reply
  • Miss Classy Dezember 18, 2016 at 9:48 am

    Ein super interessanter Post, und ganz tolle Fotos!
    WĂŒnsch dir einen schönen Sonntag!
    LG Doris
    http://www.miss-classy.com

    Reply
    • dorie Dezember 18, 2016 at 10:12 am

      Danke dir 🙂 WĂŒnsche ich dir auch!

      Reply
  • Katha Dezember 16, 2016 at 8:20 pm

    Ein wirklich toller Post 🙂
    Finde es immer sehr interessant, was ĂŒber neue Orte zu erfahren.
    xx Katha
    showthestyle.blogspot.de

    Reply
    • dorie Dezember 16, 2016 at 8:36 pm

      Danke 🙂 Du kannst jeden Dienstag reinschauen, denn da ist Travel Tueday und es gibt immer neue Posts zu verschiedenen Orten 🙂
      Ich wĂŒnsche dir ein schönes Wochenende!

      Reply
  • Theresa Dezember 15, 2016 at 1:11 pm

    Richtig schöne Bilder🙂

    Liebe GrĂŒĂŸe,
    Theresa❀
    http://www.thegreenostrich.com/

    Reply
    • dorie Dezember 15, 2016 at 1:14 pm

      Danke 🙂

      Reply
  • philozit Dezember 13, 2016 at 11:06 pm

    Wie immer toll geschrieben…danke! Auch die Bilder sind super! 🙂

    Reply
    • dorie Dezember 14, 2016 at 7:00 pm

      Danke! Sehr lieb von dir und freut mich zu hören 🙂

      Reply

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefÀllt das: