AKTUALISIERT · AUGUST 2026
Dieser Artikel stammt ursprünglich von 2019. Abermalige Kolumbienreise 2025.

Kolumbien ist für viele ein unbekanntes Pflaster und es werden immer noch viele Halbwahrheiten erzählt. Von der Sicherheit in Kolumbien bis zu Drogen werden schnell Horrorstories ausgepackt. Ich war selbst dort, habe mir wie bei Kuba ein eigenes Bild gemacht und war seitdem sogar noch einmal zurück.

Dieser Artikel ist deshalb kein kompletter Kolumbien-Reiseguide, sondern eher eine persönliche Einordnung: 5 Dinge, die du wissen solltest, bevor du nach Kolumbien fährst. Nicht panisch, nicht naiv, sondern irgendwo in der goldenen Mitte.

Strand an der Pazifikküste von Kolumbien

In a Nutshell

  1. Es kann kalt werden
  2. Der Oktober ist der schlechteste Monat – oder der beste?
  3. Glaub nicht alles, was du hörst
  4. Kolumbien ist mehr als Koks & Pablo
  5. Kolumbien ist mit Vorsicht zu genießen. Betonung: Genießen

1 Es kann kalt werden

Beim Gedanken an Kolumbien hatte ich früher hauptsächlich dichten Dschungel und tropische Hitze vor Augen. Aber es kann richtig kalt werden. Vor allem, wenn du die Küstenregionen verlässt und in höher gelegene Städte wie Bogotá reist.

4 Grad in Bogotá sind nicht die Regel, aber kalte Abende, Regen und dieses unangenehme „Ich habe komplett falsch gepackt“-Gefühl können durchaus vorkommen. Solltest du also nicht nur Cartagena, Karibik oder Pazifikküste planen, denk an lange Kleidung, eine leichte Jacke und vielleicht einen Pulli.

Echse auf Ast in Kolumbien

2 Der Oktober ist der schlechteste Monat

Bleiben wir gleich beim Wetter. Wann sollte man nicht nach Kolumbien fahren? Im Oktober. Wann bin ich nach Kolumbien gefahren? Im Oktober. Well done, Dorie!

Oktober und November können in vielen Regionen sehr regnerisch sein. Und im Gegensatz zu manchen Reisezielen in Südostasien, wo Regenzeit oft „einmal kurz schütten und dann ist wieder gut“ bedeutet, kann Regenzeit in Kolumbien wirklich Regenzeit bedeuten. In Medellín gab es bei mir kaum einen Tag ohne Regen. Meistens nicht nur ein bisschen, sondern stundenlang. Auch an der Pazifikküste hat das Wetter gerne unser Lager unter Wasser gesetzt. Hier ist in der Regenzeit der Name Programm.

Um jetzt aber fair zu bleiben: Wenn du dich von Regen nicht abschrecken lässt, kann Kolumbien auch in dieser Zeit wunderschön sein. Die Landschaft ist unfassbar grün, Wolken hängen tief über den Hügeln und viele Orte fühlen sich weniger überlaufen an. Es gibt außerdem solche und solche Tage. Während ich diese Zeilen ursprünglich schrieb, saß ich im dünnen Kleidchen auf dem Balkon meines Bungalows und sah zu, wie die Sonne ihr warmes Licht auf die Blätter des Dschungels warf. Es ist also nicht alles schlecht.

Grüne Landschaft in Kolumbien

3 Glaub nicht alles, was du hörst

„Kolumbien ist eines der gefährlichsten Länder.“

„In Kolumbien liegt das Koks auf der Straße.“

„Wer nicht einmal überfallen wurde, war nicht in Kolumbien.“

Okay, danke für die Panikmache. Das Land fasziniert die Leute und macht ihnen gleichzeitig Angst. Und zu viele brabbeln ungefiltert nach, was ihnen mal vorgekaut wurde, ohne selbst dort gewesen zu sein. Im Laufe meiner Zeit in Kolumbien hat mich das ehrlich gesagt zunehmend sauer gemacht.

Natürlich ist Kolumbien kein Reiseziel, bei dem man sein Hirn an der Flughafen-Tür abgeben sollte. Es gibt Kriminalität, es gibt Gegenden, die man meiden sollte und es gibt Situationen, in denen Vorsicht absolut angebracht ist. Aber dieses pauschale „Kolumbien ist nur gefährlich“ wird dem Land genauso wenig gerecht wie romantisches Schönreden.

Auch das Drogenthema ist komplexer als die üblichen Pablo-Escobar-Klischees. Ja, das Problem existiert. Ja, es prägt das Land bis heute. Aber nein, du wirst nicht auf der Straße damit beworfen wie beim Faschingsumzug. Wer Kolumbien nur darauf reduziert, verpasst ein Land, das so viel mehr ist als sein schwierigstes Kapitel.

Avocado Graffiti in Medellín

4 Kolumbien ist mehr als Koks & Pablo

Kolumbien hat so viel mehr zu bieten. Einzigartige Landschaften. Eine blühende Kunstszene. Weltoffene und hilfsbereite Menschen. Städte, die sich ständig verändern. Essen, Musik, Natur, Chaos, Wärme, Widersprüche. Um nur ein paar Sachen zu nennen.

In meinen Gesprächen mit Kolumbianer:innen wurde deutlich, dass viele es sehr nervig finden, immer nur auf Pablo Escobar und Kokain reduziert zu werden. Das Land hat seine Probleme und bis heute auch das Drogenproblem nicht hinter sich gelassen. Aber es ist eben so viel mehr als das.

Ich kann euch beispielsweise eine Tour durch die Comuna 13 in Medellín ans Herz legen oder eine Streetfood Tour in Cali. Dort bekommt man einen viel besseren Eindruck von der Entwicklung und Vielschichtigkeit des Landes, der Menschen und der Kunst. Und damit verbindet man am Ende einer Reise wahrscheinlich ganz andere, schönere Dinge mit Kolumbien. Pablo who?

We are all the same Graffiti in Medellín

5 Kolumbien ist mit Vorsicht zu genießen. Betonung: Genießen!

Ich möchte nochmal kurz zum Thema Sicherheit zurückkehren, weil mir das vor der Reise und auch in den ersten Tagen wirklich Kopfzerbrechen bereitet hat. Man hört schaurige Geschichten über das Land und viele, inklusive mir, schreckt das erstmal ab. Aber wie ich bereits sagte: Glaubt nicht alles, was ihr hört. Und glaubt auch nicht, dass Vorsicht und Freude sich gegenseitig ausschließen.

Die goldene Mitte ist für mich: Informiert euch ernsthaft, prüft vor der Reise die aktuellen Hinweise vom Auswärtigen Amt oder einer vergleichbaren offiziellen Stelle und entscheidet nicht aus Trotz, in Regionen zu fahren, von denen abgeraten wird. Gleichzeitig müsst ihr euch nicht von jedem Horrorsatz davon abhalten lassen, ein wunderschönes Land kennenzulernen.

Seid umsichtig, tragt Wertsachen nicht offen zur Schau, nehmt nach Einbruch der Dunkelheit lieber ein bestelltes Taxi oder eine App-Fahrt, meidet einsame Straßen und fragt vor Ort nach, welche Viertel ihr besser auslasst. In Kolumbien hört man oft den Satz „No dar papaya“: Gib niemandem eine unnötige Gelegenheit. Das klingt simpel, trifft es aber ziemlich gut.

Ich war unter anderem in Medellín, Cali und Buenaventura. Vor allem die letzten beiden Orte haben keinen komplett entspannten Ruf. Und ja, man sollte dort nicht blauäugig unterwegs sein. Aber ich bin unversehrt wieder rausgekommen und hatte Begegnungen mit wirklich netten, warmen und hilfsbereiten Menschen. Das Leben ist eben nicht schwarz und weiß. Und Kolumbien ist wirklich bunt.

Blick vom Pacifico Hostel in Kolumbien