Kamelreiten in Jaisalmer: Wüstensafari, Übernachtung & ehrliche Tipps
Kamelreiten in Jaisalmer klingt nach großem Rajasthan-Klischee: Wüste, Kamele, Sonnenuntergang, Sternenhimmel. Und ja, genau das ist es irgendwie auch. Aber unsere Nacht in der Wüste war trotzdem eines der intensivsten Erlebnisse meiner Indienreise. Nicht perfekt glattgebügelt, nicht luxuriös, nicht ohne Fragen zum Thema Tierwohl. Aber sehr besonders.
Auf einer Rajasthan Rundreise kommst du früher oder später wahrscheinlich an Jaisalmer vorbei. Oder zumindest würde ich dir das empfehlen. Die gelbe Stadt liegt im Westen Rajasthans, nah an der Thar-Wüste und fühlt sich noch einmal ganz anders an als Jaipur, Jodhpur oder Pushkar.
Dieser Artikel ist deshalb kein „Kamelreiten muss man machen“-Aufruf. Dafür ist Tier-Tourismus zu komplex. Es ist mein ehrlicher Reisebericht mit praktischen Tipps: wie so eine Wüstensafari ab Jaisalmer ablaufen kann, worauf du bei der Buchung achten solltest und warum ich heute genauer hinschauen würde als damals.

Kamelreiten in Jaisalmer: Kurz zusammengefasst
- Startpunkt: Jaisalmer in Rajasthan.
- Dauer: möglich als Sonnenuntergangstour, Tagestour oder mit Übernachtung in der Wüste.
- Unsere Tour: 1,5 Tage mit Jeep-Transfer, Kamelen, Abendessen, Frühstück und Feldbett unter freiem Himmel.
- Für wen es passt: Wenn du einfache Bedingungen magst, gerne draußen bist und bewusst einen verantwortungsvollen Anbieter auswählst.
- Wichtig: Tierwohl, Gruppengröße, Schlafplatz, Wasser, Hygiene und Temperaturen vorher klären.
Ist Kamelreiten in Jaisalmer ethisch vertretbar?
Das ist die Frage, die man heute nicht mehr einfach überspringen sollte. Kamelreiten ist Tier-Tourismus. Punkt. Und nur weil etwas romantisch aussieht, heißt es nicht automatisch, dass es für die Tiere gut ist.
Achte bei der Auswahl darauf, ob die Tiere gesund wirken, ausreichend Pausen bekommen, nicht überladen werden und ruhig behandelt werden. Frag nach, wem die Kamele gehören, wie oft sie laufen, wo sie Wasser bekommen und wie groß die Gruppe ist. Wenn du ein schlechtes Gefühl hast, buche nicht. Keine Wüstennacht ist so wichtig, dass man dafür Tierleid ignorieren sollte.
Wir hatten damals nicht den Eindruck, dass unser Guide die Tiere schlecht behandelt. Die Kamele kannten ihren Weg, liefen ruhig und wurden nicht permanent angetrieben. Trotzdem bleibt es eine persönliche Abwägung. Wenn du Kamelreiten grundsätzlich ablehnst, kannst du Jaisalmer auch ohne Ritt erleben: mit Jeeptour, Dünenbesuch, Sonnenuntergang oder einer Nacht in einem Wüstencamp.
Unser Start in die Wüste
Die Sonne stand sehr hoch und die Temperaturen waren auf ihrem nachmittäglichen Maximum, als wir den Jeep bestiegen. Der Fahrtwind brachte die nötige Kühlung und schon bald ließen wir die Mauern von Jaisalmer hinter uns. Die Landschaft wurde weiter, die Häuser verschwanden langsam und verdorrte Büsche übernahmen. Eine unwirtliche Welt, so schön und zugleich so rau.
Unterwegs stoppten wir bei einem sandfarbenen Bau, der heute als kleines Museum dient. „Hier ging früher die Seidenstraße durch“, erklärte unser Fahrer. Wie immer war ich sofort fasziniert von Orten, an denen schon hunderte Jahre vor mir Menschen standen. Ich schaute aus den Fensteröffnungen hinaus in die weite Landschaft und versuchte mir das Treiben von früher vorzustellen. Zwischen den Ruinen grasten Kamele. Es war nicht besonders schwer, sich die Karawanen auszumalen.

Danach ging es mit dem Jeep immer tiefer in die Wüste. Ab und zu sahen wir Kamele in der Ferne. Ob sie wild seien, fragten wir. Nein, die meisten gehörten jemandem und würden später wieder eingesammelt, antwortete unser Fahrer. Wie genau man sein Kamel in der offenen Wüste wiederfindet, blieb für mich eine dieser Rajasthan-Fragen, auf die es vermutlich eine praktische Antwort gibt, die aber trotzdem nach Magie klingt.
Auf Kamels Rücken durch die Thar-Wüste
Die Umrisse einiger Lehmhütten zeichneten sich in der staubigen Landschaft ab, als unser Jeep plötzlich langsamer wurde. Trotz der flachen Umgebung tauchten sie relativ überraschend aus dem Nichts auf: unsere Kamele. Wir wurden einander namentlich vorgestellt und dann wurde aufgesattelt.
Mein Kamel hieß Baba. Während sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, versuchte ich auf seinem Rücken den richtigen Rhythmus zu finden. Wippend ging es im sachten Schritt durch die Landschaft. Baba trottete gemütlich dem Vordermann hinterher und ich konnte von meiner sehr exponierten Lage in Ruhe die Wüste anschauen.
Ich bekam immer mehr ein Gefühl dafür, wie sich Karawanen früher durch diese Landschaft geschlängelt haben müssen: die unermüdliche Sonne über einem, die schaukelnden Körper der Tiere unter einem und um einen herum nur Sand, Sträucher und dieser riesige Himmel.

Eine Nacht in der Wüste bei Jaisalmer
Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir unseren Schlafplatz: ein paar Dünen, Feldbetten unter freiem Himmel und drumherum sehr viel Nichts. Die Kamele naschten am nahe gelegenen Baum. Unser Guide bereitete auf einem kleinen Feuer das Abendessen zu und wir saßen mit Masala Chai auf der Kante der höchsten Düne.
Wir beobachteten den Sonnenuntergang und versuchten, nicht von den zahlreichen Mistkäfern abtransportiert zu werden. Der Geruch unserer Turnschuh-Füße schien allzu köstlich zu sein. Wüstenromantik hat eben nicht nur Sternenhimmel, sondern auch sehr ambitionierte Käfer.
Nach einem köstlichen und reichhaltigen indischen Abendessen wurden unsere Betten hergerichtet. Einfache Feldbetten, jede Menge Decken und der Himmel direkt über uns. Angestrengt vom langen Tag putzten wir Zähne, gingen hinter Düne drei noch einmal in die Hocke und krochen schließlich unter unsere Deckenberge.
Die Stille der Wüste war fast erdrückend. Der Sternenhimmel auch. Eingewickelt in viele Schichten Decken, mit der kalten Luft um die Nase, fielen mir die Augen schneller zu, als mir lieb war. Ich schlief einen der tiefsten und besten Schlafs seit langer Zeit.

Der Morgen danach
Entgegen meiner Erwartungen wachten wir erst nach Sonnenaufgang auf. Erst als die ersten Sonnenstrahlen über die Dünen lugten und uns an der Nase kitzelten, krabbelten wir langsam unter unseren Decken hervor. Unser Guide war schon beim Frühstück und begrüßte uns mit einem weiteren heißen Masala Chai. Einer der besten übrigens, die ich je getrunken habe.
Wir bauten unser kleines Feldlager ab, das Feuer wurde gelöscht und die Kamele wurden aufgesattelt. Diesmal durfte Baba den Weg angeben. Wir hatten unseren Rhythmus gefunden und zusammen ging es flotten Schrittes über die Trampelwege zwischen den einsamen Grasbüscheln. Für einen Moment konnte ich fast vergessen, dass es außer uns noch andere Lebewesen um uns herum gab.
Irgendwann kündigte eine Staubwolke in der Ferne unseren Jeep an. Unser Ausflug in eine andere Welt und eine andere Zeit war zu Ende. Wir fielen glücklich und beeindruckt auf die Sitze. Ich war staubig, müde und sehr sicher: Das bleibt hängen.
Wissenswertes zur Buchung einer Jaisalmer Wüstensafari
Wer in Jaisalmer ankommt, wird mit Angeboten für Kamelsafaris und Wüstentouren geradezu überschüttet. Es gibt Sonnenuntergangstouren, Touren mit Übernachtung, Jeep-Safaris, Gruppenangebote, private Touren und Wüstencamps. Genau deshalb lohnt sich Recherche.
Wir buchten damals eine 1,5-Tages-Tour bei Sahara Travels. Das war keine Kooperation und wir waren mit der Abwicklung zufrieden. Trotzdem ist das keine zeitlose Garantie. Anbieter, Guides, Preise und Standards können sich ändern. Schau dir aktuelle Bewertungen an und stell gezielt Fragen, bevor du buchst.
- Wie groß ist die Gruppe?
- Wie lange sitzt man tatsächlich auf dem Kamel?
- Wo wird geschlafen: Wüstencamp, Feldbett oder Zelt?
- Ist genug Wasser dabei?
- Wie werden die Kamele gehalten und wie viele Touren laufen sie?
- Sind Abendessen, Frühstück, Jeep-Transfer und Decken enthalten?
- Was passiert bei Krankheit, Sandsturm oder starkem Wind?
- Wie wird Müll entsorgt?
Wenn du direkt im Hostel buchst, landest du oft in einer größeren Gruppe. Das kann nett sein, wenn du abends mit anderen zusammensitzen möchtest. Wir waren nur zu zweit unterwegs und fanden gerade die Ruhe besonders. Beides hat seinen Reiz. Es sollte nur bewusst gewählt sein.

Was solltest du für die Wüstennacht einpacken?
- warme Schichten für die Nacht
- Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung
- genug Wasser
- Feuchttücher oder Toilettenpapier
- Stirnlampe oder kleine Taschenlampe
- Powerbank
- geschlossene Schuhe oder Sandalen, die Staub verzeihen
- Medikamente, falls du etwas regelmäßig brauchst
- Schal oder Tuch gegen Sonne, Staub und Wind
Erwarte keine Badezimmerromantik. Je einfacher die Tour, desto eher bedeutet Wüstennacht auch: Zähneputzen irgendwo neben dem Lager, Toilette hinter der nächsten Düne und Staub an Orten, an denen vorher definitiv kein Staub war.
Jaisalmer: Mehr als nur Kamelreiten
Abgesehen vom Kamelreiten ist Jaisalmer selbst wunderschön. Die historische Stadt thront mit ihren gelben Sandsteinmauern über der Wüstenlandschaft. Die Gassen sind eng, warm, verwinkelt und voll mit Cafés, kleinen Läden und Aussichtspunkten. Wenn Jaipur die pinke Stadt ist und Jodhpur die blaue Stadt, dann ist Jaisalmer wirklich die goldene.
Die Altstadt ist nicht riesig, aber sie hat Atmosphäre. Lass dich treiben, trink Masala Chai mit Aussicht und plane nicht alles zu eng. Wir hatten zwei Nächte in Jaisalmer, eine davon in der Wüste. Für uns war das ausreichend. Wenn du entspannter reisen möchtest oder noch Ausflüge ins Umland planst, kannst du gut eine Nacht mehr bleiben.

Wie passt Jaisalmer in eine Rajasthan Rundreise?
Jaisalmer liegt weiter westlich als viele andere klassische Rajasthan-Stopps. Genau deshalb solltest du die Stadt bewusst einplanen und nicht nur „mal eben“ einbauen. Auf unserer Route passte Jaisalmer zwischen Jodhpur und Udaipur beziehungsweise als westlicher Abstecher innerhalb der Rajasthan-Rundreise.
Mehr zur kompletten Route findest du in meinem Beitrag zur Rajasthan Rundreise. Wenn du noch an der Planung bist, schau außerdem in meine Tipps zu Jaipur, Jodhpur, Pushkar und Delhi.
Mein Fazit zum Kamelreiten in Jaisalmer
Unsere Wüstensafari bei Jaisalmer war ein absolutes Highlight meiner Indien-Reise. Der Ritt auf Baba, der Masala Chai in den Dünen, das Feldbett unter dem Sternenhimmel und diese unglaubliche Stille haben sich tief eingebrannt.
Gleichzeitig würde ich heute bewusster buchen. Nicht jeder Anbieter ist automatisch gut, nicht jedes Tier wirkt automatisch gut versorgt und nicht jede Tour muss ein Kamelritt sein. Wenn du dich dafür entscheidest, such dir einen Anbieter, bei dem du ein gutes Gefühl hast. Wenn nicht, ist Jaisalmer auch ohne Kamel ein besonderer Ort.
FAQ zu Kamelreiten in Jaisalmer
Wie lange dauert eine Kamelsafari in Jaisalmer?
Es gibt kurze Sonnenuntergangstouren, Tagestouren und Touren mit Übernachtung. Unsere Tour dauerte etwa 1,5 Tage mit einer Nacht in der Wüste.
Kann man in Jaisalmer in der Wüste übernachten?
Ja, viele Anbieter organisieren Übernachtungen in der Thar-Wüste. Je nach Tour schläfst du im Camp, im Zelt oder einfach auf einem Feldbett unter freiem Himmel.
Ist Kamelreiten in Jaisalmer tierfreundlich?
Das hängt stark vom Anbieter ab. Achte auf den Zustand der Tiere, Gruppengröße, Pausen, Umgang der Guides und dein Bauchgefühl. Wenn du Zweifel hast, wähle lieber eine Jeep-Tour oder einen Wüstenausflug ohne Kamelritt.
Wie viele Tage braucht man für Jaisalmer?
Für Jaisalmer würde ich mindestens zwei Nächte einplanen, besonders wenn du eine Wüstentour machen möchtest. Mit mehr Zeit kannst du die Stadt entspannter erkunden.
Was sollte man für eine Wüstensafari einpacken?
Wichtig sind warme Kleidung für die Nacht, Sonnenschutz, Wasser, Taschenlampe, Feuchttücher, Powerbank und ein Tuch gegen Staub und Wind.






3 Comments
Rajasthan Rundreise: Die beste Route | The Dorie Blog
6 Jahren ago[…] Jaisalmer wird auch die gelbe Stadt genannt und ist für sein wunderschönes, gelbes Fort bekannt. Während du dieses relativ schnell erkundet hast, kann Jaisalmer mit noch einem weiteren Highlight aufwarten: Wüstensafaris mit Kamelen. […]
Reni E.
7 Jahren agoEs ist wirklich beeindruckend, was du alles erlebst. Schön, dass du deine Erlebnisse hier mit uns teilst! Ich bin gespannt auf mehr!
XOXO Reni
Birgit
7 Jahren agoDas ist wieder ein sehr interessanter Beitrag. Denn eine Übernachtung in der Wüste unter freiem Himmel ist schon was Besonderes. Vor allem ist die Wüste an sich ein ganz besonderer Lebensraum mit ihrer Weite und Stille. Nach all dem Gewusel der indischen Städte scheint es Balsam für die Seele zu sein.
Und ich finde es sehr gut, dass du auf die Haltung der Kamele noch einmal extra eingehst. Ein wichtiger Aspekt an den so mancher Reisende gar nicht denken würde. Danke für diesen, wie immer, informativen Bericht und gute Reise weiterhin.:)